Andacht zum Weihnachtsfest - 24. Dezember 2017

There is a crack, a crack in everything.
That`s how the light gets in.


Liebe Leserinnen und Leser!

Leonard Cohen singt diesen Text in Anthem auf der 1992 veröffentlichen Platte „The future“. Er singt das nicht ohne seine Lebenserfahrung. Nicht vollmundig, sondern leise, in seiner ganz vertrauten Stimme. Getränkt mit Leben ist diese Wahrheit: Erst ein Riss lässt die Möglichkeit zu, dass Licht hineinfällt. Erst, wenn etwas zerbrochen ist, birgt es auch die Möglichkeit, dass es durchlässig wird für einen Schein, der ansonsten abprallen würde. Auch unser Leben ist davon berührt. In einem jedem und einer jeden von uns ist ein solcher Riss offenkundig oder auch verborgen vorhanden.

Ich kann diese Lyrics als angemessene Interpretation des Weihnachtsgeschehens deuten. Mit Weihnachten verbinden wir gerade jenes Licht, dass hineingeht in unsere Brüche und Spannungen des Lebens, um uns nicht in der Dunkelheit zu belassen, sondern neue Hoffnung auszustrahlen. In einer altkirchlichen Fassung heißt es: „Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein neuen Schein.“ Nicht, dass damit die Risse und Zerwürfnisse meines Lebens vergoldet oder unbeachtet blieben. Aber in diesem Licht erhalten sie eine neue Wertigkeit. Sie werden beschienen mit dem Schein des liebenden Gottes, der sich uns in diesem Kind zuwendet und einen neuen Blick auf uns selbst und auf den anderen ermöglicht.

Wie nötig unsere Welt einen solchen Blick hat, braucht wohl keine Erklärung.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest 2017 und ein behütetes Neues Jahr 2018.

Ihr
Walter Hempelmann
Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Halle