Wort zum Erntedank-Sonntag, 01. Oktober 2017

AUFMERKSAM UND DANKBAR!
"Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!", 2. Korinther 9,15
Liebe Leserinnen und Leser,
am Sonntag feiern wir das Erntedankfest! Wir bedanken uns für die Früchte der Erde und alles Gute, das wir von Gott empfangen. Aber es ist – wenn wir ehrlich sind – zeitgemäß zu fragen: Wer erntet denn überhaupt noch.
Die meisten bauen vielleicht ein paar Tomaten auf dem Balkon oder im Garten an! Sehr viele Menschen haben jedoch keinen Bezug zur Landwirtschaft. Viele wissen gar nicht mehr, wann was gepflanzt und wie es gepflegt werden muss. Milch, Brot und Fleisch kaufen wir ja im Supermarkt. Erntedank zu feiern in dieser Zeit, in der die Landwirtschaft wenig beachtet oder geschätzt wird, ist doch eigentlich irre. Wir danken für eine Ernte, die wir nicht mehr selbst einholen. Und gleichzeitig haben wir eine Sehnsucht nach immer mehr.
„Ich bin nicht gegen Fortschritt...“, hörte ich vor kurzen und gemeint war die Entstehung eines neuen Gewerbegebietes. Es wird Fläche „auffressen“, die aktuell für die Landwirtschaft gebraucht wird. Wie paradox: Wir danken für die Ernte, aber wir betonieren das Land!
Erntedankfest feiern wir am Sonntag. Erntedank? Aufmerksam nehmen wir die Ernte an und deshalb sind wir dankbar. Aufmerksam schätzen wir die Ernte. Dankbar schützen wir die Ernte. 
An diesem Erntedankfest möchte ich alle einladen, neu wahrzunehmen, dass wir nicht ohne fruchtbares Land leben können. Aufmerksam sollen wir werden für die Gaben, mit der uns Gott bis heute beschenkt hat. Aufmerksam schätzen wir sie, denn sie sind  ein unermesslicher Schatz, den wir haben. Aber er ist  nicht unendlich. Wer dankbar für diesen Geschenk Gottes ist, sollte es schützen und zum Schutz handeln. Denn es muss anders gehen, und es geht auch anders!
Erntedankfest kann nicht gefeiert werden, ohne wahrzunehmen, dass wir die Art und Weise bedenken müssen, wie wir mit Ackerfläche umgehen und wie wir damit umgehen sollten. Im Namen des Fortschrittes – auf der Suche nach immer mehr - verlieren wir den Blick auf das, was unserem Leben Halt gibt!
Fortschritt auf wessen Kosten und für wen ? Die Wertschätzung dessen, was wir haben, dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren! Lasst uns dankbar sein, um zu schützen, was Gott uns als Gabe schenkt! Nur dann, nur wenn wir das tun, feiern wir auf eine ehrliche Weise diesen Tag. Aus Gottes Hand nehmen wir dankend an, aus Dankbarkeit agieren wir schützend.
Gott möge uns in diesem Sinne leiten und segnen! Amen. 

Christian Stephan ist als Pfarrer aus dem argentinischen Partnerkirchenkreis Misiones hier in Halle-Künsebeck zu Gast.