Wort zum 1. Advent, 27. November 2016

Der Brustkrebs von Frau B. ist zurückgekommen. Sie weiß, dass sie nur noch fünf Monate leben wird. So jedenfalls die Prognose der Ärzte. Sie spricht mit ihrer Freundin drüber und sagt: „Wenn ich im Mai gestorben bin, dann ist es gut für mich. Ich habe mein Leben gehabt, und es war gut. Aber mein Mann, der wird überhaupt nicht fertig damit. Er hat doch nur mich. Ich habe Angst, er wird daran zerbrechen“.

Eine alte Dame – ihr Sterben vor Augen - sagt: „ Ich wünschte ich könnte jetzt sein wie meine Mutter. Für sie war Sterben nach Hause kommen... Wenn ich jetzt an mein Leben denke, dann ist alles verloren…“ Zwei Tage später ist sie gestorben. Zwei existentielle Situationen, in denen wichtig wird, worauf wir hoffen können und woran wir glauben.

Um diese Themen geht es beiden Sonntagen, zwischen denen wir kirchenjahreszeitlich gerade stehen. Totensonntag und erster Advent. Zwischen Ewigkeitshoffnung und dem Kommen Jesu. Zwischen „neuer Himmel und neuer Erde“, wo „Gott abwischen wird alle Tränen und der Tod nicht mehr sein wird“, wie es in der Offenbarung heißt. Und dem: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sach.9,9)
Die christliche Ewigkeitshoffnung hängt am Kommen Jesu und seinem Erlösungswerk. Aus ihm entstehen christliche Hoffnungsbilder, die menschlichem Leben eine Richtung geben und über den Tod hinausweisen. Sie geben Menschen Kraft, mit der Endlichkeit ihres Lebens umgehen zu können. Und sie geben Orientierung in einer unübersichtlich gewordenen Welt, die Vielen Angst macht.

Gegen Momente des Verloren seins und der Verzweiflung setzt der christliche Glaube die Hoffnungsbilder von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Das Bild von einem Gott, der ganz nah bei den Menschen ist und alle Tränen abwischen wird. Und das Bild von Christus, der uns als gerechter König und Helfer entgegen kommt, um uns bei sich aufzunehmen. Sterben – so die Bildsprache des Glaubens – ist am Ende Heimkehr zu Gott. Oder ein anderes Bild: Nachhause kommen ins geöffnete Paradies...

von Hans Schmidt, Pfarrer im Ruhestand in Halle