Wort zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 07. August 2016

Das Böse überwinden

Nizza, Würzburg, München, Ansbach, Rouen … – wenn ich ehrlich bin, mag ich gar nicht mehr Nachrichten hören oder die Zeitung aufschlagen. Ich bin vorher richtig angespannt und denke: „Was erwarten mich jetzt für Horrormeldungen?“ Und vielen anderen geht es ähnlich. Voller Sorge fragen wir uns: „Was geschieht da in der Welt und bei uns? Wo soll das noch hinführen?“ Was in Zukunft auf uns zukommen wird, weiß in der Tat niemand zu sagen. Sorgen und Ängste um den Frieden in der Welt sind mehr als begründet, und das nicht erst, seit der Terror des IS Europa erreicht hat.

Zwei Tage nach dem Amoklauf von München habe ich ein Kind getauft, dessen Eltern einen eher ungewöhnlichen Taufspruch ausgesucht hatten. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse habe ich ihn ganz neu gehört und in mich aufgenommen. Es ist die Aufforderung: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“(Römerbrief 12,21)

Mir ist aufgegangen, dass wir dem, was in der Welt und um uns herum geschieht, nur eins entgegensetzen können, das Gute. „Überwinde das Böse mit Gutem.“ Das ist die einzige Chance für uns und unsere Welt. Mögen andere doch darüber lächeln oder sogar spotten! Mögen andere sich doch über so genannte Gutmenschen lustig machen!

Man liest derzeit viele schlaue Sprüche zum Beispiel auf Facebook über Frieden, Toleranz und andere hohe Werte. Aber ehrlich gesagt, ist mir das etwas zu wenig. Von schönen Sprüchen, und wenn sie noch so treffend sind, wird unsere Welt nicht besser. Da erfordert es schon konkretes Handeln: „Überwinde das Böse mit Gutem.“ Um das Gute zu beschreiben, könnte man ganze Bücher füllen. Aber im Prinzip reicht auch der Hinweis auf Jesus: Was würde Jesus tun? Wie ist Jesus vorgegangen, wenn er Unrecht aufgedeckt hat? WWJD – What would Jesus do? Nur ein Slogan? Nur ein weiterer schlauer Spruch? Nicht, wenn ihm auch das entsprechende Handeln folgt. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

von Susanne Absolon, Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Versmold, Bezirk Oesterweg.