Andacht zum 9. Sonntag Trinitatis, 02. August 2015

Es ist wieder soweit: Die Schnäppchen-Jagd hat das Ende des Modesommers 2015 längst eingeleitet. Unsere „Geiz ist geil!“-Mentalität scheint uns wieder in den Griff zu bekommen. Der Werbeslogan einer Billigkette für Unterhaltungselektronik ist nicht nur psychologisch, sondern auch marktwirtschaftlich falsch, weil er folgenreiche Auswirkungen auf Gehaltszahlungen, Konsumverhalten und auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen nach sich zieht.

Geiz wird im Alten Testament schlicht als Torheit, Dummheit bezeichnet. Nach der Lehre der katholischen Kirche zählt der Geiz (nicht zu verwechseln oder gleichzusetzen mit Sparsamkeit) nach wie vor zu den so genannten Todsünden.

Warum ist Geiz tödlich? – Weil: Der Geizkragen, der sich nichts gönnt und der den immer dünner werdenden Hals hinter einem immer enger zugeknöpften Kragen verbergen muss, bis er schier erstickt, spart nicht nur an Geld. Denn er lädt keine Gäste ein, schenkt niemandem etwas und lässt sich von niemandem etwas schenken aus Angst vor einer Gegenleistungsverpflichtung. Er spart auch an Zeit, indem er für andere nie welche hat und er spart an Ehre, weil er anderen keine Erfolge gönnt… Kurzum: Er geizt letztlich an menschlicher Beziehung.

Der Geizkragen spart an Erlebnissen und Begegnungen, hat am Ende mehr in der Tasche, aber immer weniger im Herzen. Die Spirale sozialer Isolation hat längst begonnen. „Ich bin doch nicht blöd!“ lautet ein weiterer Werbeslogan, den ich in diesem Zusammenhang gern einmal umwandle in „Ich bin doch blöd!“ Denn Geiz führt zur Verkrampfung, totalen Ichbezogenheit und Furcht vor dem Einlassen auf persönliche oder globale Beziehungen, weil diese mehr Kosten verursachen könnten. „Egonet“ rechnet dem Geizkragen vor, dass er in 40 Jahren 500 Euro sparen kann, wenn er den allmorgendlichen Teebeutel auf der Wäscheleine trocknet und wieder verwendet… Auf einem solchen zweiten Aufguss will sich dauerhaft garantiert niemand mehr einladen lassen.

Global gesehen verbessern Schnäppchen auch nicht die Lebensbedingungen der Näherinnen in Bangladesch oder Vietnam, die oftmals für Hungerlöhne unter katastrophalen arbeitsrechtlichen Bedingungen arbeiten müssen und sich weder Medikamente noch Arztbesuche leisten können, von einer Altersabsicherung ganz zu schweigen. Wir gestalten durch unser Verhalten und unseren Konsum unsere zwischenmenschlichen Beziehungen mit. Da ist Geiz eben alles andere als geil!  

von Christiane Karp-Langejürgen, Pfarrerin am Berufskolleg Halle/Wstf.