13. Oktober 2013 - 20. Sonntag nach Trinitatis

Einblick gewinnenl 

Unter dem Motto „Einblick gewinnen“ steht die „Woche des Sehens“, die am 15. Oktober mit dem Internationalen „Tag des weißen Stocks“ zu Ende geht. Ziele sind: Blindheit verhüten und Blindheit verstehen. Das ist längst kein Randthema mehr. Mehr als 13 Millionen Menschen sind heute in Deutschland von Augenkrankheiten betroffen, und es werden immer mehr, vor allem durch die altersbedingte Makula-Degeneration, die häufigste Ursache für Sehbehinderungen im Alter. Darüber spricht am kommenden Mittwoch bei einem Treffen blinder und sehbehinderter Menschen aus dem Kirchenkreis Halle die Rehabilitationslehrerin für Blinde und Sehbehinderte, Barbara Deppe aus Bielefeld. Einige ihrer „Schüler“, die bei ihr die Orientierung mit dem Langstock, so die offizielle Bezeichnung des „weißen Stocks“, gelernt haben, werden dabei sein.

Einblick gewinnen – das ist hilfreich für die unmittelbar Betroffenen, damit sie erfahren, wie sie ihren Alltag besser bewältigen können. Einblick gewinnen in die Situation derer, die mit einer Einschränkung, einer Behinderung leben müssen, ist aber für alle Menschen hilfreich, damit man sich einander besser versteht. Deshalb lud kürzlich der Kirchenkreis Halle zu einem Aktionstag ein, bei dem die Besucher das Leben mit Parkinson hautnah erleben konnten. Deshalb besuchten evangelische und katholische Christen aus Steinhagen im Rahmen der „Ökumenischen Sommerabende“ das Gefängnis in der Nachbargemeinde Ummeln, um ein wenig nachempfinden zu können, wie Menschen hinter Gittern leben. Und deshalb spricht beim Jahresfest der evangelischen Frauenhilfen im Bezirksverband Halle am kommenden Mittwoch der Leiter der Bielefelder Bahnhofsmission, Marcel Bohnenkamp,  über das Thema „Menschen in besonderen Lebenssituationen“.

Einblick gewinnen, Mitgefühl empfinden, die Situation des Mitmenschen verstehen – damit kann das Zusammenleben der Menschen angenehmer und verständnisvoller werden. So hat zum Beispiel ein Mann bei einem Informationstag über die Probleme gehörloser Menschen in Bielefeld  kürzlich die Einsicht gewonnen: „Jetzt weiß ich, dass ich meine gehörlose Nachbarin zu Unrecht für dumm gehalten habe.“ Die Fähigkeit, sich schriftlich ausdrücken zu können, ist nämlich bei vielen Gehörlosen ebenso eingeschränkt wie das Hören und Sprechen, erfuhr jetzt der Mann.

Es ist immer ein Gewinn, Einblick zu gewinnen. Für alle Beteiligten.

von Udo Waschelitz, Laienprediger und Synodalbeauftragter für die Blinden- und Sehbehindertenseelsorge im Evangelischen Kirchenkreis Halle