09. Dezember 2012 - 2. Advent

In diesen Tagen kann man viele geschmückte Türen sehen. Tannenzweige, Kränze oder andere adventliche Dekorationen gestalten die Eingangsbereiche der Häuser und Wohnungen. Und das ist auch gut so: Aus dem dunklen Herbst oder Winter auf eine einladend geschmückte und erleuchtete Haustür zuzugehen, das ist ein schönes, ein festliches, ein hohes Gefühl.

Aber die Tannenzweige in unseren Wohnzimmern, die Adventskränze auf unseren Tischen und die Kränze an unseren Haustüren sind ja eigentlich eine Erinnerung an ein ganz anderes Grün, an die grünen Zweige von orientalischen Palmen, die an den Stadttoren Jerusalems geschwenkt wurden eine Woche vor Karfreitag. Als ihren Retter, als ihren Messias haben die Einwohner von Jerusalem Jesus begeistert empfangen. Und schon bald danach sind die Worte aus Psalm 24 auf diese Geschichte bezogen worden: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ – „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!“

Nur dass am Kommen Jesu damals nicht viel Herrliches war – auf einem Esel, dem Reittier der kleinen Leute, so kam er an. Als jemand, der von unten kommt und sich seiner Macht entäußert, um ganz nah bei denen zu bleiben, die selber unten sind. Als jemand, der sanftmütig kommt und seine Gewalt preisgibt, um mit Liebe die Herzen der Menschen zu erreichen. Als jemand, der barmherzig kommt und seinen Richterstuhl aufgibt, um den Menschen die Gnade Gottes nahezubringen.

Und deswegen geht es im Advent letztlich um die Haustür meines Lebens. Ist diese Tür abgeschlossen, nur wenige Auserwählte besitzen einen Schlüssel und die anderen stehen draußen? Oder steht diese Tür immer eine Handbreit offen, und es fällt Licht in die Dunkelheit, die draußen ist? Hängt an der Haustür meines Lebens ein Schild mit der Aufschrift „Bitten zwecklos – Jeder ist sich selbst der Nächste“? Oder gibt es hinter dieser Tür auch einen Tisch mit guten Worten und guten Sachen für die, die zu mir kommen, weil sie so etwas brauchen?

Führt die Haustür meines Lebens in niedrige, enge Räume, in denen es nur nach saurem Schweiß, Arbeit und Leistung riecht? Oder kann man hinter dieser Tür auch einen Sonntagsruhesaal finden mit hohen Fenstern zur staunenden Betrachtung des unendlichen Sternenzelts und irgendwo auch einen Schöpfungsgarten mit einem Spielplatz für große und kleine Kinder? Und zuerst und zuletzt aber: Steht die Haustür meines Lebens offen für den, der Himmel und Erde gemacht hat, in einem Stall zur Welt kommt und in Krippe und Kreuz mein Erlöser sein will? „Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch“ – sind unsere Türen offen? Der Advent ist da. Er kommt bestimmt!

von Pfarrer Christoph Grün, Versmold