13. Mai 2012 – Rogate

„Wir müssen miteinander reden – Gott“

So stand es auf einem Plakat. Wer auch immer das Plakat liest, wird aufgefordert, mit Gott zu sprechen, also zu beten. Das Plakat erinnert uns an etwas, das heutzutage für viele von uns nicht mehr selbstverständlich ist. Wer betet denn heute noch? Wann haben Sie das letzte Mal ganz bewusst mit Gott gesprochen? Gerade eben, gestern Abend, vor ein paar Tagen, Sie können sich nicht mehr genau erinnern? Heute werden wir aufgefordert, das Gespräch mit Gott zu suchen. Aber: Die Frage, die viele von uns sich dabei stellen, lautet, „Hilft es eigentlich, zu beten?“ „Hört mich da jemand?“ „Lohnt sich das?“ „Verändert es irgendetwas, wenn ich bete?“ 

Jesus sagt uns ganz und gar eindeutig und ohne Zweifel: Ja, Beten lohnt sich! Denn: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. (Lk 11,9)

Ich weiß nicht, welche Erfahrungen Sie gemacht haben mit den Worten Jesu.

Wenn ich zurückblicke auf mein bisheriges Leben, dann stelle ich verwundert fest: Ja, so habe ich es persönlich erleben dürfen. Ich habe es noch nicht erlebt, dass ich intensiv und beständig um etwas gebetet hätte, was nicht irgendwie erfüllt worden wäre. Es ist nicht immer eins zu eins. Gott ist nun mal keine Wunschmaschine, die wir mit Gebeten füttern müssen, um dann alles erfüllt zu bekommen. Aber ich habe immer etwas empfangen durch die Begegnung mit Gott im Gebet. Und ich habe mich noch nie vergeblich auf die Suche nach etwas mir wirklich Wichtigem gemacht. Stets habe ich irgendetwas gefunden. Es war nicht immer genau das, was ich gesucht hatte, aber das steht so auch nirgendwo.

Das Gebet mit Gott verändert uns, davon bin ich überzeugt. Wenn ich bete, dann kann ich vieles, was mir Kummer und Sorgen bereitet, abgeben in gute Hände. Viele von Ihnen werden die Erfah-rung teilen, dass es tröstlich ist und innere Ruhe schenkt, wenn man für andere Menschen betet und bittet, wenn man Fürbitte hält. Das ist eine ganz wichtige Aussage der Worte Jesu: Gott hört uns und er reagiert auf unser Beten.
Das Plakat „Wir müssen miteinander reden – Gott“ erinnert uns außerdem daran, dass Gott auch zu uns spricht, und Beten nicht immer nur unser Reden mit ihm meint. Manchmal bedeutet Beten, einfach da zu sein in Gottes Nähe – und zu hören, was er uns zu sagen hat.
Amen.

von Renata Pense, Pfarrerin in der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Spenge