Wort zum 3. Advent, 17. Dezember 2017

 

Braucht man das noch oder kann das weg?
Unter diesem Titel haben wir uns verschiedene Bräuche in der Weihnachtszeit in den „ökumenischen Frühschichten“ um 7.00 Uhr (Andacht mit anschließendem Frühstück) im Evangelischen Gymnasium Werther angeschaut. Als letztes werden wir kommenden Freitag, 22. Dezember, den Brauch des sich gegenseitig Beschenkens unter die Lupe nehmen. Angesichts der Diskussion über überforderte Paketdienste, gestresste Postzusteller, überstundengeplagte Verkäuferinnen und gereizte Kundschaft hat man fast den Eindruck, es wäre gut, sich das Schenken am Weihnachtsfest zu schenken. Manche tun das ja auch. Wie viel Zeit wäre gewonnen in der Adventszeit, wie viel Frust über enttäuschte Gesichter oder unpassende Geschenke, die demnächst zum Schrottwichteln müssen, wäre gespart.

Und doch: Die Geschenke halten sich hartnäckig. Haben sie neben dem kommerziellen Zweck noch einen anderen Sinn?

Eines ist sicher eine gute Sache: Weihnachten bietet uns einen Anlass, unseren Lieben zu zeigen, dass wir sie schätzen. Auf etwas anderes weist Paul Gerhard hin mit seinem Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“: „Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.“ So taten es schon nach biblischer Überlieferung die Heiligen Drei Könige, die dem neugeborenen Retter der Welt Gold, Myrrhe und Weihrauch brachten. Es lohnt sich, an das herrliche Geschenk zu denken, das Gott uns macht, indem er als kleines Kind in einer Krippe in die Welt kam.

Gott machte sich aus Liebe zu uns ganz klein, damit wir bei ihm groß werden, damit wir seine Liebe annehmen und uns die Tür zu erfülltem und ewigem Leben geöffnet wird. Wer einmal an der Krippe war, geht als Beschenkter zurück ins Leben. So reich beschenkt mit der Liebe Gottes, können wir ihm diese Liebe zurückgeben, in dem wir sie weiterschenken an die, denen zu wenig im Leben geschenkt wurde. Der Brauch am Heiligen Abend in der Kirche für Brot für die Welt zu spenden, drückt dies aus.

Vor uns liegt die letzte Woche vor dem großen Fest. Wir dürfen wissen: Weihnachten ist es längst geworden, durch Gottes Geschenk an uns. Wir müssen es nicht mehr machen, sondern dürfen dieses Geschenk einfach empfangen. So können wir entspannt in die letzte Woche vor dem großen Fest gehen. Und ob dann alles perfekt mit unseren Geschenken läuft, ist dann auch nicht mehr das Entscheidende.

Silke Beier ist Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeidne Werther