Wort zum 1. Adventssonntag, 03. Dezember 2017

„Advent in uns“
„Es kommt ein Schiff geladen bis an sein‘ höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.“ Dieses vielen bekannte Adventslied weist auf die schwangere Maria hin. In sich ruhend, lenkt sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Kind, das sie in sich trägt. So, wie ein Schiff, die bauchigen Koggen der damaligen Zeit, ihre schwere Fracht in sich tragen und auf dem Wasser schaukeln, die Melodie bringt es uns nahe. Maria ist nach innen gerichtet, das einzige, das für sie jetzt zählt, ist das bald kommende Kind.
Mit dieser Aufmerksamkeit kann sie uns zu einem Vor-Bild in der Adventszeit werden. Als erste Glaubende, die auf die Verkündigung des Engels geantwortet hatte: „Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Maria, die uns zeigt, wie wir Advent, die Ankunft Gottes bei uns feiern können: leise und wartend, aber mit gespannter Aufmerksamkeit.  Maria ist offen gewesen für das, was Gott mit ihr vorhatte. Und so war sie bei aller Passivität und allem Warten doch sehr beteiligt: aufmerksam ließ sie geschehen, dass das Kind, das der Welt von Gott neu geschenkte Leben, in ihr heranwuchs.  
Manchmal erwarten und erhoffen wir das auch mit großer Sehnsucht, dass Gottes in unser Leben hineinkommt und es neu macht. Mit Aktionismus können wir das allerdings nicht erzwingen. Sondern, indem wir uns Zeit nehmen, uns Stille gönnen, indem wir „zur Besinnung kommen“ – und damit Gott und seinem Wirken in uns Raum geben.
Und dann wird es auch geschehen, dass in uns neue Lebendigkeit heranwächst, dass auch in unseren Begegnungen miteinander die Liebe Gestalt gewinnt: da, wo es uns gelingt, in einem Menschen ein Fünkchen Hoffnung zu entfachen. Oder da, wo zwischen Menschen versöhnliche Worte möglich werden. Oder da, wo ein bekümmertes Gesicht wieder zu einem Lächeln findet.
Gott selbst bricht sich Bahn bei uns und lässt uns in seinem Sinne wirken.

Silvia Schultz ist Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Borgholzhausen.