Wort zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 3. September 2017

Wir haben sie aus dem Blick verloren. Obwohl sie in unserer Gegend eigentlich direkt vor der Nase liegt. Obwohl sie lebensnotwendig für uns ist und uns täglich ernährt: die Ackerfläche. Wem von uns ist noch bewusst, dass jeder Bissen unserer Nahrung seinen Ursprung im Acker hat? Unsere heutigen Einkaufsmöglichkeiten scheinen uns von diesem grundlegenden Ort des Wachsens abgeschnitten zu haben.
Das hat die fatale Folge, dass die Wertschätzung für die Ackerfläche und seine Produkte vielerorts verloren gegangen ist. 30 Prozent unserer Lebensmittel werden verschwendet – private Haushalte leisten hierbei einen erschreckend hohen Beitrag. Hier kann jede und jeder seinen persönlichen Umgang mit den von Gott anvertrauten Möglichkeiten zum Leben bedenken.
Um die elementare Bedeutung von landwirtschaftlich genutzter Ackerfläche zu verdeutlichen, wurde „Der Weltacker von Künsebeck“ in Halle-Künsebeck, Ecke Künsebecker Weg und Leimweg, angelegt. Hier können Sie „Ihre 2000 m² Ackerfläche“ in den Augenschein nehmen, die Ihnen wie jedem anderen Menschen auf der Erde theoretisch zur Verfügung steht. Auf dieser Fläche muss alles wachsen, was einen Menschen in einem Jahr ernährt und versorgt: pflanzliche Nahrung, Futterpflanzen für die Nutztiere, Pflanzen, aus denen Kleidungsstücke hergestellt werden, Ölpflanzen sowie Rohstoffe für Industrie und Energie.
Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft konnte aufzeigen, dass 2000 m² Ackerfläche ausreichen, um einen Menschen hiermit zu versorgen. In unserem Land führt unsere Lebensführung allerdings dazu, dass wir umgerechnet 2700 m² Ackerfläche pro Person benötigen.
Bei unserer Ernährung scheint es sich um eine private Angelegenheit zu handeln. Tatsächlich entscheiden wir in Deutschland mit jeder Mahlzeit darüber, wie Lebensmittel produziert und wie viel Ressourcen dafür benötigt werden. In einer globalisierten Welt hat die Entscheidung, wie und womit sich jede und jeder ernährt, einen ökologischen Effekt. Lassen Sie sich das vom „Weltacker in Künsebeck“ vor Augen führen.

Beatrix Eulenstein, Pfarrerin mit sozial-diakonischen Aufgaben im Evangelischen Kirchenkreis Halle