Andacht zum 08. Sonntag nach Trinitatis - 06. August 2017

Lebt als Kinder des Lichts!
Pflanzen muss man das nicht sagen: Lebt im Licht, nehmt es auf, richtet euch nach ihm aus! Pflanzen tun das einfach. Überall in der Natur finden wir diese selbstverständliche Ausrichtung zum lebenswichtigen Licht. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr gerate ich ins Staunen.
Der Mensch scheint das immer wieder zu vergessen – zum Bilde Gottes geschaffen und damit zu einem Leben im Licht, entscheidet er sich immer wieder für die Dunkelheit. Und die hat viele Namen: Selbstbezogenheit, Respektlosigkeit, Unwahrheit. Menschen werden gemobbt, verurteilt oder durch boshaften Klatsch zu Außenseitern gemacht. Jugendliche hängen in der Luft mit ihrer Sehnsucht nach Zukunft und einem erfüllten Leben, Erwachsene fühlen sich überfordert und alte Menschen aufs Abstellgleis geschoben.
Wie ständig vom Eingehen bedrohte kleine Pflanzen, aus denen nichts werden kann, weil sie zu wenig Licht bekommen, so sind Menschen oft. Dabei weiß jeder, dass das Licht guttut, während eine lange Zeit der Dunkelheit schwer auszuhalten ist.
Wie wurde Martin Luther verändert, als er endlich erkannte: Nichts anderes verlangt Gott von mir, als dass ich mich nach seiner Liebe strecke wie eine Pflanze nach dem Licht. Und je kleiner und unzulänglicher ich mich fühle, desto mehr kann mich sein Licht aufrichten und lebendig machen.
Und dann geschieht das Wunder des Wachsens und Gedeihens, und es reifen Früchte. Ein Mensch, der an Gott glaubt und nach seinem Willen fragt, ist nach dem ersten Psalm wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit.
Wie erleichtert ich bin, wenn jemand mit Milde und Verständnis auf die dunklen Stellen mei-nes Lebens schaut – Gott, aber auch Menschen. Ich kann mich so verlieren in einsamen Ge-danken und Zweifeln und bin so froh, wenn ein gutes Wort mich da herauszieht – von Gott, aber auch von Menschen. Da leuchtet Licht auf. Güte und Barmherzigkeit, Angenommen-Werden und Liebe, die sind wie das Licht.
Ich wünsche uns, dass wir uns nach Gottes Licht ausstrecken, es in uns aufnehmen und aufgerichtet werden-und uns dann dahin aufmachen, wo dieses Licht nötig ist.


Karin Hanke, Pfarrerin in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Halle