Andacht zum Sonntag Kantate, 11. Mai 2017

Loben.
Das war gute Arbeit, sagt der Chef. Der junge Mann guckt irritiert.
Er hat sein größeres Projekt hinter sich gebracht. Ja, das war richtig gute Arbeit, sagt der Chef noch mal, und geht. Der Gelobte überlegt: War das nun ernst gemeint? In der alten Firma hat er nie irgendetwas Anerkennendes gehört. Nicht geschimpft, ist genug gelobt, war dort die unausgesprochene Devise. Er fragt einen Kollegen.Der antwortet: Natürlich hat der das ernst gemeint. Der sagt, wenn ihm was nicht passt, aber er sagt auch, wenn er zufrieden ist. Na, dann…
Jetzt geht der Gelobte mit einem Lächeln weiter.

Wie ist es bei Ihnen? Sagt da mal jemand: Gut gemacht! Oder müssen Sie froh sein, wenn nicht gemeckert wird?

Mir ist das Lob am liebsten, das alltäglich-konkret daher kommt. Denn Lob heißt: Jemand stimmt dem zu, was ich getan habe, stimmt mir zu. Du bist okay. Bleib, wie du bist – alle anderen gibt es schon. Lob unterstreicht das Gute und macht es so stärker. „Lobt Gott!“ heißt es viele Male in der Bibel, vor allem in den Psalmen! Offenbar haben und hatten Menschen diese Erinnerung nötig. Vielleicht gilt ja auch Gott gegenüber: Nicht gemeckert, ist genug gelobt!
Außerdem zieht das Nicht-Gute so viel Aufmerksamkeit auf sich: In den Nachrichten, in unserem Blick auf die Welt, die Zukunft, manchmal sogar auf das eigene Leben. Wofür sollten wir da Gott loben? „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ erinnert ein Psalm.

Wir brauchen diese Erinnerung, damit wir nicht übersehen, was zum Freuen, zum Staunen, was einfach gut ist. Und damit wir nicht vergessen, dass wir eben nicht nur von dem leben, was wir mit unserer Kraft schaffen. Wenn wir genauer hinsehen, entdecken wir kleine und große Geschenke, nicht nur unser Geben, sondern auch unser Nehmen.

„Lobt Gott!“ Beim Danken und Loben tut es gut, eine Adresse zu haben, es sozusagen vor jemand anderem zu unterstreichen: Das war gut. Das  ist für mich gut. Denn so machen wir das Gute stärker: In uns, in anderen, in unserer Welt. Und das täte allen und allem sooo gut!


von Christiane Becker, Pfarrerin in der Krichengemeidne Versmold