Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 23. April 2017

Frühstück mit Seeblick


Wieder steht er da mit leeren Händen. Wieder ist das Netz leer. Und wieder fragt sich der Fischer: Worauf ist denn in diesen Tagen noch Verlass?


Petrus ist hin- und hergerissen. Erst der Jubel in Jerusalem: „Endlich wird alles besser!“ Dann das brutale Ende: Sterben am Kreuz. Sterben aller Träume. Sterben vor Feigheit. Und dann der erneute Wendepunkt: Aufleben neuer Hoffnung. Leben trotz alledem. Auferstehungsleben.


Das muss er erstmal verarbeiten. Petrus sucht das alltägliche. Etwas, das ihm vertraut ist und ihm Sicherheit verleiht in diesen so wirren Zeiten. Er geht fischen.
Das leere Netz macht ihm aber nur eins klar: In dieser Zeit ist auf nichts mehr Verlass.


Auch ich kenne dieses Gefühl und frage mich: Worauf ist noch Verlass? Wird nicht alles schlimmer? Brutaler? Unsicherer in unserer Welt?


Und auch in meine Welt stehe ich oft mit leeren Händen da, weil ich mehr Fragen als Antworten habe: Wie steht es um meine Beziehungen? Was bringt die Zukunft für mich und meine Lieben? Wie geht es weiter?


Leere Hände? Hin- und Hergerissen zwischen Machbarkeits-Zuversicht und Ratlosigkeit.


In der Geschichte am Ende des Johannesevangeliums füllt Jesus die Netze des Petrus mit 153 Fischen. Er füllt ihm die Hand und lädt zum Frühstück am See.


Gemeinsam essen. Am Kohlenfeuer in der Morgenstunde am See sitzen. Jesus nimmt sich Zeit. Die Szene hat etwas Entschleunigendes. 


Petrus erfährt, dass Jesus ihn versorgt. Er kommt raus aus dem Denken: Nur er allein kann und muss es schaffen, den Herausforderungen der Zeit Herr zu werden. Er hat seinen Herrn an der Seite. Und der frühstückt mit ihm.


Ich bin froh, dass mein Glaube mir Orte und Zeiten bereithält, in denen ich zur Ruhe kommen kann und erlebe: Ich werde versorgt!


Die Spannungen, in denen ich lebe, und die uns unsere Zeit zumutet, sind nicht einfach aufzulösen.


Aber ich begegne ihnen nicht mit leeren Händen.


Aus dem „Frühstück mit Seeblick“ wurde ein „Frühstück mit Hoffnungsblick“.
Und dazu sind wir eingeladen.


von Tim Henselmeyer, Synodalvikar in Halle / Westfalen