Andacht zum Sonntag Palmarum, 09. April 2017

Heute, am 9. April 2017, beginnt für die Kirchen die Karwoche: Von Palmsonntag bis Ostern bildet sich auf dem Leidensweg Christi vielfältige menschliche Erfahrung in Höhen und Tiefen ab. Vom „Hosianna, dem Sohne Davids“ (Palmsonntag) bis zum „Kreuzige ihn“ (Karfreitag) und der österlichen Freude des „Er ist auferstanden“ verdichten sich in der Karwoche Lebens- und Glaubenserfahrungen.


Wer einmal die Karwoche in einem Kloster oder Einkehrhaus erlebt hat, erlebt verdichtet viele eigene Erfahrungen. Die Freude und Hoffnung beim Einzug in Jerusalem, die Gemeinschaft und Stärkung im Gedenken an die Einsetzung des Abendmahls am Gründonnerstag und an Karfreitag, die Stille und Sündenvergebung am Karfreitag und die feierliche Freude am Ostermorgen, dessen tiefes Geheimnis wir nur glauben, aber nie wissen können.


In unseren Kirchengemeinden laden viele Gottesdienste in der Karwoche zur gemeinsamen Feier des Glaubens ein: Von Passionsandachten mit Abendmahl, über Feierabendmahl in den Abendstunden des Gründonnerstag, die Gottesdienste an Karfreitag bis zur Feier der Osternacht bieten sehr vielfältig gestaltete Gottesdienste die Möglichkeit, sich gerade in dieser Woche mit Fragen des eigenen Glaubens auseinanderzusetzen.


In den letzten Jahren  habe ich dabei die Erfahrung gemacht, dass die Zahl der teilnehmenden Gemeindeglieder immer geringer wird. Jugendliche und Familie fehlen meistens, denn für sie ist es nicht die Karwoche, sondern die erste Osterferienwoche. Nicht wenige sind im Urlaub. Zeigt das nicht einmal mehr, dass der christliche Glaube immer weniger Bedeutung hat, wenn noch nicht einmal das Zentrum des christlichen Glaubens wie ein Magnet die Christen in die Kirche strömen lässt?


Unsere Kirchengemeinde sind keine Klöster oder Einkehrhäuser. Hier leben Gemeindeglieder, die zwischen Arbeiten, Familie, Erziehung und Partnerschaft auch ihren christlichen Glauben leben. Die Gemeinden machen Angebote, um die Tiefe dieses Glaubens zu erfahren. Und natürlich wünsche ich mir als Pastorin, dass viele Gemeindeglieder daran teilnehmen. Aber es bleibt die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, an einem der vielen Gottesdienste teilzunehmen.


Wir brauchen die Verdichtung der Karwoche, die Feier des Abendmahls und die Zeichen österlichen Lebens. Denn wir sind alle ein Teil jener Erlösungsgeschichte, die wir vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehungsgewissheit miteinander in dieser Woche feiern.


Und deshalb bleibt es wichtig, dass sich Christen in der Karwoche an das Leiden Christi erinnern und die Auferstehung des Herrn feiern. 

von Kirsten Schumann, Pfarrerin in Steinhagen