Wort zum Sonntag Judica, 2. April 2017

„Von guten Mächten …wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Das sind Worte des im sogenannten „Dritten Reich“ zum Tode Verurteilten Theologen Dietrich Bonhoeffer, die dieser aus dem KZ heraus zum Trost an seine Familie geschickt hat. Worte, die später vertont worden sind und heute nicht selten im Angesicht eines Sarges oder einer Urne zur Trauerfeier in der Friedhofskapelle gesungen werden.

Trost in einer ganz oft eher trostlos erscheinenden Situation. Der Abschied von einem geliebten Menschen tut nicht nur in der Seele, sondern auch körperlich weh. Da ist der sprichwörtliche Kloß im Hals plötzlich spürbar, die Gedanken drehen sich im Kreis, der Boden unter den Füßen scheint zu schwanken. Ich soll loslassen den, der mir ganz wichtig war, den Mann oder die Frau, den Vater, die Mutter, den Sohn oder die Tochter. Und bei der Trauer spielt es nicht unbedingt eine Rolle, ob jemand jung oder alt verstorben ist, bis kurz vor seinem Tod kerngesund oder schon lange krank und pflegebedürftig war.

Endgültig loslassen müssen, tut einfach nur weh!

Hilfreich in einer solchen Situation ist oft schon allein der Ritus der Bestattung. So schmerzlich es auch ist, nach den Tagen des Aufgewühlt Seins und der hektischen Aktivi-täten bringt die Trauerfeier ein Stück Ruhe zurück ins eigene Leben. Farbe und Form von Sarg oder Urne zeugen von der Individualität des Verstorbenen, die Auswahl der Blumen und Lieder von seinen Vorlieben. Familie, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen sind da, bekunden ihre Anteilnahme. Und es tut allen gut, sich noch einmal an Lebensstationen, Liebenswertes, gemeinsame gegangene Wege, oder auch an Trennendes zu erinnern.

Und der sich anschließende Gang ans Grab bringt einen gewissen Abschluss, das Wissen um den Ort, die Möglichkeit, diesen immer wieder aufzusuchen, um demjenigen nahe zu sein, der früher eine so große Rolle im täglichen Leben gespielt hat.
Und die guten Mächte? Ja, die sind auch da. Gott ist da. Wir dürfen als Christen sicher sein, dass er unsere Lieben auch da festhalten wird, wo wir nicht mehr hinschauen kön-nen. Und dass wir selber wieder herauskommen aus dem Dunkel, wieder Licht sehen am Ende des Tunnels, dass es nach der Passionszeit auch bei uns wieder Ostern wird.

von Dirk Leiendecker, Pfarrer in Versmold