Wort zum Sonntag Lätare – 26. März 2017

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh 12, 24)

Das Johannesevangelium erzählt, wie Jesus das Bildwort vom Weizenkorn an Menschen richtet, die darum bitten, ihn zu sehen. Vielleicht sind sie neugierig, vielleicht sind sie auf der Suche, vielleicht sind sie bei ihren ersten Schritten auf dem Weg des Glaubens. Auf jeden Fall wollen sie sich selbst von Jesus überzeugen. Wollen erfahren, was dran ist an diesem Menschen, an seinen Taten und Worten. Wollen ihm nahe kommen. Und Jesus antwortet ihnen mit dem Bildwort vom Weizenkorn. Es ist ein hoffnungsvolles Bild. Ein Bild, das in die Zukunft weist. Ein Bild, das deutlich macht: Es gibt in allem Scheitern die Möglichkeit zu einem neuen Anfang. Es gibt in allem Ende die Chance für einen Neubeginn. Es gibt in allem Leid die Hoffnung auf neues Leben.

Wir befinden uns mitten in der Passionszeit und vor uns liegt der Sonntag Lätare mit seinem Motto „Freue dich!“. Dieses Motto des Sonntags und das Bildwort vom Weizenkorn lassen uns in die Zukunft schauen und fordern uns auf, der Freude in unserem Leben Raum zu geben. Freude mitten in der Passionszeit. Freude allem Leid zum Trotz. Freude als Herausforderung und wundersamer Ruf mitten in der Passionszeit. Freude, weil schon im Sterben das Leben begriffen ist. Freude, weil nicht alles, was nach Ende aussieht, auch das Ende ist. Freude, weil Gottes Zusage gilt: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr dein Erbarmer.“

Lätare – Freue dich! Blicken wir also schon jetzt auf der Höhe der Passionszeit mit Freude auf Ostern. Leben wir in dem Wissen, dass Gott unser Leben weiterführt. Spitzen wir an diesem Freudensonntag die Ohren, um den Vorklang des österlichen Halleluja zu hören, ohne den Schrei des Gekreuzigten und das, was uns Mühe macht, zu übertönen. Dann bekommen wir schon jetzt einen Vorgeschmack auf den Osterjubel, der uns am Ende erwartet.

von Anne-Kathrin Becker, Pfarrerin in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Borgholzhausen