Wort zum 3. Sonntag nach Ephiphanias – 22.Januar 2017

„Zeichen und Wunder sahen wir geschehen – in längst vergangenen Tagen. Gott wird auch unsere Wege gehen, uns durch das Leben tragen.“

Dienstagmorgen 7.30 Uhr, erste Stunde Religion in der Fachoberschulklasse, Jugendliche und Religion lautet das selbstgewählte Thema. Eine klasseninterne Umfrage ergibt folgendes Ergebnis: Auf die Frage: „Wer glaubt an Gott?“ antworten zwei Schülerinnen mit „Ja“. Auf die Frage: „Wer glaubt an gar nichts?“, antworten fünf Schüler mit „Ja“. Auf die Frage: „Wer glaubt daran, dass es etwas gibt zwischen Himmel und Erde, das mein Leben beeinflusst?“ antworten neun Schülerinnen und Schüler mit „Ja“. Jugendliche sind auf der Suche nach einem Sinn in ihrem Leben. Sie finden den gesuchten Sinn aber heute nicht mehr zwingend in einer Religion oder Kirche, sondern sie entwickeln aus verschiedenen Quellen einen „persönlichen Glauben“. Und doch, auch wenn nur zwei Jugendliche ihren Glauben an Gott bekennen, so gehören doch auch die anderen einer der großen Kirche an. So wie die Mehrheit junger Menschen in Deutschland einer Glaubensgemeinschaft oder Kirche angehört. Konfessionslos sind laut der aktuellen Shell-Jugendstudie nur 23 Prozent der zwölf- bis 25-Jährigen in Deutschland. Doch, Kirche scheint nicht mehr zeitgemäß, spricht nicht die Sprache der Jugendlichen, bleibt verhaftet in alten Strukturen, so die Wahrnehmung der jungen Leute. Glaube an Gott ist ihnen fremd (geworden). Im Johannesevangelium wird Jesus flehentlich vom Hofbeamten gebeten, seinen Sohn zu heilen. Er ist nicht gläubig, dieser königliche Beamte. Er weiß nicht mal richtig, was Jesus lehrt, wer Jesus wirklich ist. Aber er hat etwas gehört, das ihm so verheißungsvoll erscheint, dass er sich auf den Weg macht. Dieser Mensch will in Jesu Nähe sein und er will diese Nähe mitnehmen hinab nach Kapernaum in sein eigenes Leben. Irgendwie von Gott angezogen sein, die Nähe Jesu suchen, Trost und Ruhe und Hoffnung für mein Leben finden. Gestärkt nach Hause zurückgehen – diese Erfahrung wünsche ich nicht nur den Jugendlichen aus der Schulklasse.

von Birgit Gillmann, Pfarrerin der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bockhorst.