Wort zum 22. Sonntag nach Trinitatis, 23. Oktober 2016

Ich danke meinem Gott jedes Mal, wenn ich an euch denke. Ich danke ihm in jedem Gebet, das ich für euch alle spreche! Und bin voller Freude, weil Gottes Gnade unter uns wirkt. Weil sie uns verbindet und zusammenhält. Und deshalb bin ich voller Zuversicht: Derjenige, der dieses gute Werk begonnen hat, hier bei uns und an so vielen Orten und in so vielen Menschen, der wird es auch zum Abschluss bringen – bis zu dem Tag, an dem die Macht der Gnade offensichtlich wird. Amen. ( Phil.1, 3-11)

Paulus schreibt an seine Gemeinde in Philippi. Ihr, der ersten christlichen Gemeinde auf europäischem Boden, war er herzlich zugetan. Gerne hätte er die Gemeinde wiedergesehen, doch er befindet sich im Gefängnis. Paulus weiß nicht, was aus ihm werden wird.

Dieser Gedanke, seine Angst und seine Sorgen stehen in seinem Brief nicht im Vordergrund. Im Gegenteil, Paulus weiß sich von seiner Gemeinde getragen, auch wenn er viele Kilometer entfernt von ihr ist. Von ganzem Herzen dankt er Gott für diese großartige Gemeinschaft, weil in ihr „Gottes Gnade wirkt“ und sie zusammenhält.
Menschen, die sich einer christlichen Gemeinde zugehörig fühlen, wissen wovon Paulus spricht. Menschen, die krank waren und besucht wurden. Menschen, die vor dem Krieg flohen und hier eine neue Heimat fanden. Menschen, die um einen lieben Menschen trauern und stärkende Gesten der Familie, der Nachbarin oder des Freundes erfuhren. Menschen, die ihre Freude mitteilten oder an entscheidenden Punkten ihres Lebens mit dem Segen Gottes bedacht wurden.

Das ist auch meine Antwort auf eine Karikatur* mit dem Untertitel „Exoten“ von Thomas Plaßmann, die ich neulich sah: In lockerer Runde stehen fünf Erwachsene, gesellig mit einem Glas Bier in der Hand, ohne Ironie fragend: „Christ?! … Ach! Interessant… und was macht man da so?“ Die Vier fragen völlig ahnungslos.

Ja, was macht „man“ da so? So wie Paulus – aus dem Gefängnis – mutig von meinem Glauben erzählen und im Alltag meinen Glauben leben, für die Menschen eintreten und mich selbst von Gott getragen wissen.

von Birgit Gillmann, Pfarrerin in Bockhorst

 

*Karikatur: Thomas Plaßmann, Werkstatt für Liturgie und Predigt, Ausgabe 8. 2016,   S. 323