Andacht zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 11. September 2016

„Es tut mir leid. Kapitaler Motorschaden. Da können wir nicht mehr machen.“ Das waren die Worte des Kundenberaters in der Autowerkstatt. Ich musste schlucken. Kapitaler Motorschaden. Keine Hoffnung mehr. Zumindest nicht auf eine kleine, den Geldbeutel nicht zu sehr beanspruchende Reparatur.

Ich musste denken: bei einem Menschen hätte der Satz vom Oberarzt im Krankenhaus geheißen: „Es tut mir leid. Herzfehler. Da können wir nichts mehr machen.“ Die Angehörigen hätten wie angewurzelt da gestanden. Die schlimmste aller Nachrichten.

Im Vergleich dazu gibt es beim Auto zumindest die Möglichkeit den Motor auszutauschen. Das gibt es beim Menschen nicht wirklich – oder?

Kapitaler Herzschaden. So hieß es damals auch bei einem engen Freund von Jesus namens Lazarus. Er war todkrank, starb und wurde ins Grab gelegt. Seine Familie und seine Freunde trauerten. Dann kam Jesus. Der Evangelist Johannes berichtet uns diese Geschichte und erzählt davon, wie Jesus sich dem Grab zuwendet. Er bittet jemanden, die Steinplatte wegzuschieben. Dann ruft er: „Lazarus, komm heraus!“ Stille. Alle halten den Atem an. Dann bewegt sich etwas und Lazarus kommt wirklich heraus. Er lebt. In diesem Augenblick wird deutlich, weshalb Jesus Christus auf die Erde gekommen ist: um kapitale Herzschäden zu beheben. Um neues Leben zu schenken. Nicht nur eine Wiederbelebung im Hier und Jetzt, sondern ein tiefes, neues Leben, das vom Tod nicht ausgelöscht werden kann.

Dieser 16. Sonntag nach Trinitatis erinnert uns mit seinem Thema „Auferstehung“ an das Wunder von Ostern, auch und gerade jetzt im Spätsommer. Ein Theologe spitzt es zu: „Wir Christen sind Protestleute gegen den Tod!“ Es ist so leicht, das zu vergessen. Der Tod scheint so stark. Wenn die Abende jetzt wieder dunkler werden. Es gibt Grund zum trotzigen und fröhlichen Protest!

Wir können uns gegenseitig Mut machen: Herzschaden?! Da kann Jesus Christus etwas machen: denn er „hat dem Tod die Macht genommen und das Leben – unvergänglich und ewig – ans Licht gebracht.“

von Nicolai Hamilton, Pfarrer in Halle.