Wort zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 21. August 2016

Religion und Kleidung – was hat das eigentlich miteinander zu tun? Gar nichts – oder doch? Kann meine Religion mir Vorschriften darüber machen, wie ich mich in der Öffentlichkeit zeige? Vor al-lem, wenn ich Frau oder Mädchen bin? Ist das Kopftuch genauso ein religiöses Symbol für die Muslime, wie es das Kreuz für die Christen ist? Oft dominiert ja gerade diese Frage die Diskussion über den (und auch mit dem) Islam in unserm Land.Wohlgemerkt: Auch in einigen christlichen Gruppierungen gibt es immer noch Vorstellungen und sogar Vorschriften über die Art und Weise, wie Frauen und Mädchen sich außer Haus zu kleiden haben. Auffassungen wie die, dass weibliche Wesen in der Öffentlichkeit keine Hosen, sondern nur Röcke tragen dürfen, werden allerdings von den allermeisten Christinnen in unserem Land nicht ernst genommen, und das ist auch gut so. Dagegen riskiert eine muslimische Frau, die auf das Kopf-tuch verzichtet, oft auch hierzulande Ausgrenzung und Diskriminierung, von den bedrückenden Verhältnissen in einigen islamisch geprägten Ländern ganz zu schweigen.Aber die Tatsache, dass es durchaus gläubige Musliminnen gibt, die kein Kopftuch tragen, zeigt doch, dass der Islam als Religion viel mehr ist als eine bloße Kleidungsvorschrift. Wenn Christen und Muslime gemeinsam erkennen würden, dass die Ehrfurcht vor Gott, die Dankbarkeit gegenüber seiner Schöpfergüte und die gelebte Mitmenschlichkeit seiner Geschöpfe die gemeinsame Basis ihrer Religionen sind – würden sich dann nicht alle Kleidungsdiktate als sinnlos herausstellen?Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und auf diesem Weg kann es durchaus richtig sein, in Deutschland bestimmte Kleidungsvorschriften wie z.B. die Ganzkörperverschleierung (Burka) als das zu identifizieren, was sie sind: keine religiösen, sondern gesellschaftliche Symbole, menschen-verachtend und daher dem Leben in einer freiheitlichen Demokratie nicht angemessen.

von Christoph Grün, Kreiskirchlicher Pfarrer