Wort zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 03. Juli 2016

Gott sagt „ja“ zu mir! Diese Zusage, dass Gott uns so akzeptiert, wie wir sind, steckt auch im Ritual der Taufe, an die wir am morgigen Sonntag erinnern. Mit der Taufe und durch die Taufe gehören wir zu Gott – unwiderruflich, komme, was da kommen mag.

Wer zu Gott kommt und sich taufen lässt, und sicher auch, wer von anderen, meistens den Eltern, zur Taufe gebracht und Gott anvertraut wird, den nimmt Gott an und ist für ihn da. Mit der Taufe wird eine enge und belastbare, tragfähige Beziehung zwischen Gott und einem Menschen begründet.

Gott sagt „JA“ zu mir, ganz gleich, ob ich mich selbst akzeptabel finde, ob ich in den Augen anderer akzeptabel bin. Ganz gleich, ob ich leistungsfähig bin oder in meinem Leben immer wieder die Erfahrung mache zu scheitern, ob andere mich attraktiv finden oder nicht, ob ich den Erwartungen, die andere an mich haben, entspreche oder nicht – Gott sagt „Ja“ zu mir.

„Fürchte dich nicht vor dem Urteil der Menschen! Ich habe dich angesehen, und du gehörst zu mir. Ich habe dich befreit, du selbst zu sein!“ – So könnten wir das, was Gott uns zusagt, ausdrücken.

Gott sagt „Ja“ zu mir. Wenn ich das glauben kann, werde ich befreiter leben können, befreit von den Ansprüchen und Erwartungen, die andere an mich haben. Befreit von all dem, wie wir sein und was wir tun und haben sollen, um dazu gehören zu dürfen. Befreit von der Angst, ein Niemand zu sein, der/die nicht gesehen wird.

In einer Konfirmandengruppe ist ein Junge, der im Umgang schwierig und anstrengend erscheint, einer, der es nicht leicht hat mit sich selbst und nicht mit den anderen, den auch die anderen aus der Gruppe nicht wirklich ernst nehmen und vielleicht für ein bisschen dumm halten. Als er sich einen Konfirmationsspruch aussuchen soll, entscheidet er sich für diesen Vers: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ Steckt darin nicht seine Sehnsucht, angesehen und anerkannt zu werden, so, wie er wirklich ist? Gott sagt „Ja“ zu uns – in der Taufe und für alle Zeit, was immer da kommen wird. Das ist eine starke Zusage, die uns hilft zu leben und irgendwann auch „Ja“ sagen zu können zu uns selbst.

von Petra Isringhausen, Pfarrerin in Steinhagen.