Wort zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juni 2016

Sieben Schläfer

„Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s sieben Wochen.“ Die alte Bauernregel hat sich auch in den Zeiten der Wetterstatistik bewährt: In Norddeutschland trifft sie in zwei von drei Jahren zu. Die Ursache sucht man jedoch nicht mehr bei den Siebenschläfern, sondern im Wettstreit zwischen Azorenhochs und Islandtiefs. Welches von beiden sich durchsetzt, entscheidet sich meistens Ende Juni.

Der Siebenschläfer-Tag, am 27. Juni, hat seinen Namen nicht von den Bilchen bekommen, putzigen Nagetieren, die sich Ende Juni paaren und zuvor sieben Monate im Winterschlaf verbringen. Der Name des Tages geht auf eine christliche Legende zurück, der nebenbei auch die Bilche ihren Namen „Siebenschläfer“ verdanken.

Im dritten Jahrhundert war der römische Kaiser Decius ein grausamer Christenverfolger. Zu dieser Zeit lebten sieben Brüder in Ephesus, in der heutigen Türkei. Ihnen war es unmöglich, den römischen Göttern zu opfern und ihrem Glauben an Christus abzuschwören. Um sich vor der Verfolgung zu schützen, waren sie auf einen Berg geflüchtet. Dort fanden sie eine Höhle, die ihnen Schutz bot. Der Kaiser ließ sie jedoch aufspüren und zur Strafe einmauern. Ihre Zufluchtsstätte wurde zur Grabeshöhle.

In der blieben sie fast 200 Jahre. Inzwischen war das Christentum zur römischen Staatsreligion geworden. Als dann die Höhle aufgebrochen wurde, erwachten die Sieben, grüßten einander und meinten, dass sie nur über Nacht geschlafen hätten. Als einer von ihnen aufbrach, um Brot zu besorgen, war die Stadt völlig verändert. Über den Stadttoren sah er das Kreuzeszeichen. Er ging mit verhülltem Gesicht, um nicht erkannt zu werden. Aber es erkannte ihn ohnehin niemand. Als seine alte Goldmünze beim Bäcker Staunen auflöste, wurde die Geschichte aufgedeckt.
Eine Mutmach-Geschichte in Zeiten der Verfolgung. Immer wieder erzählen auch heute Menschen Geschichten davon, wie sie in der Not bewahrt worden sind. Manchmal wirken sie wie ein Wunder. Wie ein Sonnenstrahl im Dauerregen.

von Sven Keppler, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Versmold