Wort zum Sonntag Exaudi, 08. Mai 2016

Die Liebe verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Seit dem 15. April lesen wir in der fortlaufenden Bibellese den 1. Korinther-Brief.


Schon im ersten Kapitel (Vers 10) kommt Paulus zur Sache: Es gibt Spaltungen in der Gemeinde in vier Gruppen: Die Paulus-Leute, die Leute um Apollos, die Leute von Kephas und die Christus-Leute. Also neben den Leuten, die von Paulus her geprägt sind, gibt es drei andere Gruppen die von anderen Lehrern her geprägt sind.

Wer aber meint, Paulus würde nun „aufräumen“, der wird enttäuscht. Paulus räumt nicht auf, sondern geht auf die verschiedenen Positionen in der Gemeinde ein: Da ist z.B. die Gruppe, die von Apollos her geprägt ist: Apollos, ein treuer Mitarbeiter, hat seine „Prägung“: Er kommt von Johannes dem Täufer her. Die Leute, die von Kephas her denken, sind durch Petrus, den Jünger Jesu her geprägt. Was bedeutet das?

Apollos denkt von Johannes her: Dem Mann, der die alte Propheten-Tradition verkörpert, nämlich Gottes Stimme zu sein und die Menschen an Mose und die Gebote Gottes zu erinnern. Petrus geht es um eine andere Tradition: Er möchte sicherstellen, dass beim gemeinsamen Abendmahl die ungesäuerten Brote verzehrt werden, damit die Erinnerungen an den Tag der Herausführung aus Ägypten, den Tag der Befreiung nicht verloren gehen. Paulus geht nicht nur auf diese unterschiedlichen Strömungen ein, sondern lässt sie „stehen“ – Warum?

Wegen der Liebe: Die Liebe ist die größte unter ihnen, das bedeutet, dass sie die unterschiedlichen Strömungen und Erfahrungen der Menschen nicht irgendwie zudeckt oder weg redet, sondern sie stehen lässt, damit sie zu Säulen werden, auf die sich alle stützen können: Die Liebe verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Geben wir diese Säulen nicht auf.

Ein schönes Wochenende in Halle im Gerry-Weber-Stadion wünscht Ihnen

von Kurt Kükenshöner, Pfarrer i.R. im Kirchenkreis Halle