Wort zum Sonntag Okuli, 28. Februar 2016

„Wie gehen Sie mit Ihren Schuldgefühlen um?“, wird ein bekannter Schauspieler gefragt. „Eigentlich fällt mir jetzt nichts Schlimmes ein, wofür ich große Schuldgefühle hätte“, antwortet der.Nichts richtig Schlimmes, nichts, was zu den großen Worten aus dem Epheserbrief (Kap 5, 1-8) passen würde: Unzucht, Ausschweifung Habgier. Im Mittelalter wurden sie zu den sieben Todsünden gezählt, zusammen mit Hochmut, Zorn, Völlerei und Neid. Sie alle klingen zu groß für unseren kleinen Alltag und für das richtige Leben nicht mehr passend. Geiz ist geil. Habgier ist der Motor unserer Weltwirtschaft und mit kleinen und großen Eitelkeiten werden erfolgreiche Fernsehformate gemacht. Natürlich gibt es diese „Sünden“ immer noch. Manchmal werden sie ja auch aktenkundig oder in den täglichen Nachrichten ausgebreitet. „Schlimm, was da alles passiert!“, sagen wir dann kopfschüttelnd. Und natürlich kennen wir alle in unserem Umfeld Menschen, die geizig, eitel, rachsüchtig oder neidisch sind. Aber wir selbst … nein, zu uns passen diese großen Worte nicht. Das passt nicht zu euch! Findet auch der Schreiber des Epheserbriefes. Es passt nicht, weil Gott uns seine Kinder nennt, seine geliebten Kinder. Nicht seine lieben, weil braven und fehlerlosen, sondern seine geliebten. „Enthält Spuren von…“ steht klein gedruckt auf den Lebensmittelpackungen als Warnung für alle, denen diese Spuren unbekömmlich oder gar gefährlich werden können. Auch in unserem Leben finden sich Spuren, Spuren von Neid, Habgier, Rachsucht. Und selbst wenn sie nicht aktenkundig werden oder es in die Klatschspalten schaffen: sie sind trotzdem schädlich und giftig, für uns selbst und das Zusammenleben mit anderen. Doch sie dürfen und müssen uns nicht mehr bestimmen, daran möchte der Bibeltext für Sonntag erinnern. Gott selbst hat uns aus allen Dunkelheiten ins Licht geholt. Früher wart ihr Teil der Dunkelheit. Aber jetzt seid ihr Teil des Lichts, denn ihr gehört zum Herrn. Führt also euer Leben wie Menschen, die zum Licht gehören. (Eph 5, 8)

von Christiane Becker, Pfarrerin in der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Versmold, Bezirk Loxten