Wort zum Sonntag Reminiscere, 21. Februar 2016

Klimawandel

Mein Schwager beobachtet Gletscher. Berufsmäßig, denn er ist Wissenschaftler an der Universität Graz. Seit fast zehn Jahren misst er, wie die Gletscher wegschmelzen. Und das ist dramatisch. Das Klima verändert sich – es wird wärmer. In den Alpen, auch das beobachtet mein Schwager, tauen die Felsen im Hochgebirge auf. Ganze Gipfel müssen schon heute extrem kostspielig mit Beton und Stahl abgestützt werden. Und er ist sich sicher: Schon in 20 Jahren wird der Permafrost in weiten Teilen verschwunden sein. Unsere Berge werden dann anders aussehen.

Das Klima ändert sich – auch das soziale Klima. Noch vor etwa einem dreiviertel Jahr wurden Flüchtlinge in den Bahnhöfen klatschend begrüßt. Mittlerweile wurden aus winkenden und applaudieren Händen vielerorts drohende Fäuste. Hilfsbereite Menschen werden als „Gutmenschen“ denunziert. Das Gute, das Tolerante, das Mitmenschliche wird bewusst pervertiert. Aus den Erzählungen der Alten und aus den Geschichtsbüchern wissen wir, dass dieser scharfe Wind nichts Gutes verheißt.

Das soziale Klima ändert sich – es wird kälter. 

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Dieses Wort der Bibel aus dem Römerbrief nimmt uns Christen in die Pflicht. Gemäß unserer christlichen Überzeugungen sind besonders auch wir für das Klima verantwortlich, das uns umgibt. Es ist unsere Aufgabe, im Rahmen unserer persönlichen Möglichkeiten, das gute Klima jedweder Art zu bewahren. Denn das Klima bestimmt die Qualität des wertvollsten, was Gott uns gegeben hat – die Qualität unseres Lebens.

von Jörg Eulenstein, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Harsewinkel