Wort zum Sonntag Estomihi, 7. Februar 2016


Wissen Sie, was „Chemtrails“ sind?

Nein? – Nicht schlimm, von Wissen kann in diesem Zusammenhang ohnehin nicht die Rede sein. Bestimmt kennen Sie die weißen Streifen, die Flugzeuge an einem klaren Tag am Himmel hinterlassen. Kondensstreifen. Einige nennen sie „Chemtrails“. Und behaupten, das seien nicht nur Abgase, sondern gezielt versprühte Chemikalien. Über den Zweck dieser Chemikalien sind sich die Anhänger der „Chemtrail“-Theorie uneins: Manche sagen, mit den Mitteln solle die Landwirtschaft insgeheim beeinflusst werden. Andere spekulieren, die Bevölkerung der Erde solle in ihrem Wachstum gebremst werden. Wieder andere vermuten Militärs oder Klimaexperten am Werk. Beweise für all das gibt es keine. Aber jede Menge Wissenschaftler mit zahllosen schlüssigen Gegenargumenten.

Verschwörungstheorien wie diese treffen den Nerv unserer Zeit. Denn die Furcht geht um in Europa. Viele Menschen fürchten, es könnte uns in ein paar Jahren deutlich schlechter gehen als heute. Und argwöhnen: Vielleicht legt es jemand gezielt darauf an. Diese Ängste paaren sich bald mit Halbwissen: Sind in Flugzeugabgasen nicht ohnehin chemische Schadstoffe? Und schon ist die fixe Idee von der „Chemtrail“-Verschwörung in der Welt.

Fixe Ideen sind nicht immer so harmlos. Gefährlich ist die Verschwörungstheorie von der angeblichen „Lügenpresse“. Denn: Wer heute ohne Grund alle Nachrichten als Lüge zur Seite schiebt, die unsere (durchaus zuverlässigen!) Medien in Deutschland bringen, der setzt sich morgen genauso über alle Gesetze hinweg.

Christinnen und Christen haben etwas gegen Furcht und Dummheit. Die Bibel weist uns darauf hin: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2. Timotheus 1,7). Wer seinen Blick auf den Gott des Himmels richtet und ihn um seinen guten Geist bittet, der wird stark und liebevoll und besonnen bleiben können, auch in schwierigen Zeiten. Wer dagegen in den Wolken schwebt, kann auch nur „Chemtrails“ finden und andere Wolkenkuckucksheime. Oder Schlimmeres.

von Dr. André Heinrich, Pfarrer in der Kirchengemeinde Brockhagen