Wort zum 2. Sonntag nach Weihnachten, 03. Januar 2016

Es gibt eine Zeit, da heißt es: Zähne aufeinanderbeißen und durch! Eine solche Zeit ist, wenn nach Überlegung ein harter Weg gegangen werden muss. Eine solche ist auch, wenn plötzlich ein riesiger Berg an Herausforderung zu überwinden ist. Aber der Blick auf das neue, noch unbekannte Jahr 2016 fällt hier nicht drunter. Auch wenn die vergangenen Monate deutlich gemacht haben, dass mit Bedacht – politisch gesehen – schwierige Wegstrecken gewählt wurden und mit herausfordernden neuen Situationen zu rechnen ist.

Der Blick auf Jahr 2016 erhält seine Prägung durch die Jahreslosung: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13) Das Angebot zum Trost öffnet den Raum einzugestehen, das Bedürfnis nach Trost zu haben, traurig zu sein, sich rat- und mutlos fühlen zu dürfen. Enthemmt aufzählen zu können, welche Bedrückungen auf unserer Seele lasten, ganz persönlich aber auch weltpolitisch. Offen vor Gott allen Schrecken ausbreiten zu dürfen, ohne Rücksicht auf Beziehungsgeflechte oder Ansehen der Person.

Nichts muss vermeintlich tapfer heruntergeschluckt werden. Vor Gott dürfen wir unsere Haltung verlieren, weil er uns halten wird. Immer, bedingungslos, zuhörend und verstehend. Er hat sich in den irdischen Wegen seines Sohnes als vertraut mit menschlichen Lebensherausforderungen erwiesen und seine ewige Treue in der Auferweckung Christi bekundet. Wer vor Gott sein Herz ausschüttet, kann sich in seinen Armen angelehnt in Ruhe alles anschauen, was er preisgegeben hat. Greifbar machen, was im Inneren so schwer zu packen ist.

In Gottes Geborgenheit kann Klarheit entdeckt und dann neue Kraft geschöpft werden. Bewegung wird geweckt, Schritte auf dem Weg werden möglich, voll Trost, Mut und Zuversicht, in dem Wissen begleitet zu werden von Gott. – Das Jahr 2016 wird durch die Jahreslosung zu einer Zeit, in der wir Gottes Angebot zum Trösten immer wieder für unsere Wege aufnehmen können. 

von Beatrix Eulenstein, Pfarrerin mit sozial-diakonischen Aufgaben im Evangelischen Kirchenkreis Halle