Wort zum vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, 15. November 2015

Am 10. November 2009 starb Robert Enke.

Sechs Jahre ist es her, dass der ehemalige Nationaltorwart Robert Enke sich aufgrund einer Depression das Leben nahm. Bei Facebook werde ich an diesen Todestag erinnert durch einen Blog von Theresa Enke, seiner Ehefrau, die in den Tagen und Wochen nach diesem Suizid viel Anerkennung und Respekt erhält, weil sie sich dazu entschließt mit einer Pressekonferenz das Thema der Depression öffentlich zu machen.

Auch heute betont sie, wie sehr ihr Mann unter dem Gefühl litt, als Profifußballer seine Krankheit geheim halten zu müssen, und dass dieses selbst auferlegte Schweigen die Behandlung der Depression sehr erschwerte.

Die Krankheit Depression ist seit diesem Suizid stärker ins öffentliche Bewusstsein getreten. Vielleicht noch nicht genug, denn Betroffene äußern nach wie vor, wie schwer es ist, mit dieser psychischen Krankheit offen umzugehen. Zu oft hören sie den „Ratschlag“: „Jetzt reiß Dich doch mal zusammen!“ Oder: „Lass Dich nicht hängen!“

Menschen, die seit Jahren unter Depressionen leiden haben das Gefühl, dass sie sich rechtfertigen müssen, wenn es ihnen schlechter geht.

Auch biblisch ist diese Erkrankung belegt: König Saul, der erste König des Staates Israel, litt an Depression. Saul war von einem „dunklen Geist“ besessen. Es waren militärische Fehler, die ihn verunsicherten. Vielleicht spürte er aber auch sein Alter, Müdigkeit und abnehmende Kräfte. Auf alle Fälle ist er machtlos gegen den bösen Geist, der ihn ängstigt. Saul kommt nicht mehr zur Ruhe, findet keinen Schlaf. Er leidet – an Trauer, an Abschied.

Wo ist nur die frühere Lebenslust? Wo der Kampfgeist? Alles wie weggeblasen.
Die Behandlung von Depressionen heute zielt darau,f die Betroffenen zu stabilisieren im eigenen Umgang mit ihrer Krankheit. Dazu gehört die Möglichkeit, offen mit der als „Kopfkrebs“ oder „Seelenkrebs“ erlebten Krankheit umzugehen.

Auch Saul musste erkennen, dass er Hilfe von außen brauchte: Mit Hilfe des jungen Hirten David und seiner Harfenmusik konnte er seine Seele ruhig stimmen. Ich wünsche allen an Depression leidenden Menschen, dass sie erfahren, was auch Saul erlebt hat: „Der böse Geist wich von ihm.“ (1. Samuel 16,23)

von Kirsten Schumann, Pfarrerin der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Steinhagen