Wort zum Erntedank-Sonntag, 04. Oktober 2015

„Seht, was wir geerntet haben, und wir danken Gott dafür…“ Mit einem Lied bringen die Kinder ihre Körbe mit den Erzeugnissen aus Feld und Garten in den Gottesdienst. Möhren und Rote Beete, Kartoffeln und Zucchini, Äpfel und Nüsse finden sich darin. Vor dem Altar liegen große Kürbisse, steht Getreide in einer Garbe. Auf dem Altar liegen Brot und Weintrauben und erinnern an das Abendmahl. Ein Erntedankgottesdienst wird gefeiert. Und anschließend gibt es für alle eine leckere Apfelspeise. „Seht, was wir geerntet haben, und wir danken Gott dafür…“

Die Fülle, aus der wir leben dürfen, zeigt sich. Freude, Staunen, Dank stellen sich ein. Sicher besonders bei den Menschen, die auch beruflich auf eine gute Ernte gehofft haben und von ihr leben. Landwirte leben mit der Erfahrung, dass sie nicht alles selbst machen können und – trotz aller Technik – den Erfolg der Ernte nicht garantieren können.

Wenn ich einen weiteren Erntekorb aufstelle, gefüllt mit der „guten Ernte“ meines Sommers, für die ich Gott Dank sage, - was findet sich darin? Da ist vielleicht das Bild eines Menschen, der mir wichtig wurde in diesem Sommer; eine Socke des neu geborenen Enkelkindes; ein Buch, das ich mit Freude gelesen habe; die Weinflasche und die Weingläser, die ich mit Freunden bei einem langen Gespräch an einem Sommerabend geleert habe; eine Karte einer Wegstrecke, die ich mit dem Fahrrad gefahren bin; eine Muschel, die ich in einem erholsamen Urlaub am Strand aufgehoben habe; die Noten eines Liedes, das mich berührt hat. Alles das sind auch Lebens-Mittel, Mittel zum Leben, die mein Leben reich und schön machen. Alle stehen für eine Freude oder ein Glücksgefühl, das ich nicht selbst herstellen und machen kann. Auch dafür sage ich Gott Dank.

Und ich teile. Teile, was ich bin und was ich habe, mit anderen. Teile den Überfluss und materiellen Reichtum. Teile meine Zeit und Kraft und Begabungen mit denen, die mich brauchen. Ich kann abgeben, ohne selbst zu wenig zum Leben zu haben. Ich teile, und die Freude vergrößert sich.

Von Silvia Schultz, Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Borgholzhausen