Wort zum Michaelistag  2015

Meine allerliebsten Engel waren Holländer. Und das Wichtigste waren nicht ihre Flügel, sondern dass sie schwimmen konnten. Und dass sie da waren, wo sie dringend gebraucht wurden. In einem kleinen Hafen am Ijsselmeer, wo unser Sohn (Zwei Jahre alt) gerade ins Wasser gefallen war, direkt neben dem großen Segelschiff in das tiefe Hafenbecken. Genau in der einen Minute, in der ich nicht hingeschaut hatte. Aber da waren ja die beiden Engel. Die sprangen sofort hinterher und konnten ihn retten. Ein dritter Engel, auch er Holländer und Arzt außerdem, untersuchte unseren schreienden Sohn und stellte keine Schäden fest. Gott sei Dank!

Flügel hatte keiner der Engel, und ob einer von ihnen Michael oder Gabriel hieß, weiß ich auch nicht. Trotzdem bin ich ganz sicher, dass es Engel waren. Denn sie waren zur rechten Zeit am rechten Ort und taten genau das, was dringend gebraucht wurde. Und das ist es ja, wofür Engel da sind.

Am 29. September ist Michaelistag. Papst Gelasius I. hat das 493 festgelegt. Früher war das ein wichtiger Termin für Zahlungen und Verträge aller Art. Der Tag teilte auch das Schuljahr: Es gab Zeugnisse und sogar zwei Wochen Ferien. Nun ist er für die Evangelischen nur noch wichtig, weil am Sonntag nach Michaelis in der Regel Erntedank gefeiert wird.

Eine Ikone zeigt Michael, wie die orthodoxe Kirche ihn sieht. Keine süße Putte mit Kindergesicht und Flügelchen, sondern eine beeindruckende Gestalt, gekleidet wie ein Soldat mit Brustpanzer und Beinschienen. Er trägt ein großes Schwert und ein Schild in den Händen und seine Flügel sehen aus wie Rückenpanzer. All das braucht er auch, denn in der Bibel ist er der, der Drachen und Teufel bekämpft, weil sie Gottes Macht zerstören und den Menschen nur Böses wollen und tun.

„Lass deine Engel um uns sein, durch sie geleite Groß und Klein, bis wir mit ihnen dort im Licht einst stehn vor deinem Angesicht.“ So singt und betet ein Lied im Gesangbuch. (Wer mag, liest im Gesangbuch die Engellieder nach oder hört Johann Sebastian Bachs Kantate für diesen Tag.)

von Christiane Becker, Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Versmold, Bezirk Loxten