15. März 2015 - Lätare

„Unterdrückt nicht die Fremden, die bei Euch im Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen. Liebt sie wie euch selbst. Übervorteilt niemand und verwendet keine falschen Maße und Gewichte.“ (3. Buch Mose, 1.2.33-37)
Klare Worte aus dem Alten Testament. Doch wie oft werden diese Richtlinien in unserem Land, unserer Stadt, unserem Dorf missachtet: Nicht immer werden Fremde bei uns freundlich willkommen geheißen – auch wenn sie vor Krieg, Bombenterror, Gewalt, Folter oder lebensbedrohlichen Situationen fliehen und bei uns eine sichere Zuflucht und eine friedliche Zukunft suchen. Nicht immer wird mit gleichem Maß gemessen. Zum Glück gibt es viele gesetzlich verankerte Rechte und kirchliche Initiativen, die Menschlichkeit möglich machen, in denen Menschen die göttliche Kraft eines zwischenmenschlichen Miteinanders zu spüren bekommen, wie z. B. durch das Kirchenasyl.

Erfahrungen des Fremdseins kennen wir alle und erinnern uns gern daran zurück, wenn jemand auf uns zukam und sagte, „setz dich zu uns“ oder „herzlich willkommen“: Nach einem Umzug, im Urlaub, als neues Mitglied einer Gruppe, nach einem Schul- oder Stellenwechsel oder nach Flucht und Vertreibung im 2. Weltkrieg. Mögen uns eigene Erfahrungen des Fremdseins eine Hilfe im Umgang mit Fremden in unserem Dorf, unserer Stadt oder unserem Land sein, wie es nicht nur in der Bibel, sondern auch in unserem Grundgesetz verankert ist: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Männer und Frauen sind gleich. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Dazu ein kurzes Gleichnis, das mich zum Schmunzeln brachte: „Es ist gleich einem Kaufhausrestaurant, in dem eine Frau eine Gulaschsuppe kaufte. Sie stellt die Suppe auf einen Stehtisch und hängt ihre Handtasche darunter. Dann geht sie noch einen Suppenlöffel holen. Als sie zu ihrer Suppe zurückkommt, steht ein Afrikaner dort und löffelt die Suppe. Nach dem ersten Schrecken lächelt sie den Afrikaner an, fasst sich ein Herz und löffelt mit dem Afrikaner zusammen aus der Terrine. Nach der gemeinsam genossenen Mahlzeit spendiert der junge Mann ihr noch einen Kaffee und verabschiedet sich etwas später freundlich lächelnd von ihr. Das waren die ersten und letzten Worte der beiden. Als die Frau gehen will, greift sie nach ihrer Handtasche. Sie fehlt. „Also doch, hab´ ich mir doch gleich gedacht.“ Der Afrikaner ist bereits verschwunden. Hilflos blickt sie um sich. Da sieht sie am Nachbartisch eine volle Terrine Gulaschsuppe und darunter ihre Handtasche. Wer von den beiden ist nun der anderen Person am nächsten gewesen!?“ (Nach: W. Lipp) Ich wünsche uns allen gute Erfahrungen und schöne Erlebnisse bei der Begegnung mit Fremden!

Von Christiane Karp-Langejürgen, Pfarrerin am Berufskolleg Halle