30. November 2014 - 1. Advent

Liebe Leserinnen und Leser,

Noch stehen sie im Keller: Zwei große Pappkartons vermischte Adventsdekoration aus vielen Familienjahren. Alles liegt durcheinander. Im vergangenen Januar habe ich die Sachen zuletzt einfach nur noch hineingestopft. Erst heute schaffe ich es, sie auszupacken. Ob ich das wirklich alles wieder aufstellen möchte? An manchem hat der Zahn der Zeit genagt. Anderes ist geschmacklich lange überholt. Dass wir diese Kugeln mal schön fanden?! All die Nikoläuse aus Kindergartenzeiten und die alten Fensterbilder , zwei etwas schiefe Weihnachtssterne in grün und blau. Früher haben die Kinder begeistert mitgemacht, beim Auspacken und Aufstellen. Advent – endlich geht es los! “Ja, ja, wir wissen schon, dass das Ankunft heißt. Jesus wird geboren und so… Aber wie viele Tage sind es noch bis Weihnachten?“

„Siehe, dein König kommt zu dir. Ein Gerechter und ein Helfer.“ Das können wir am morgigen Sonntag im Gottesdienst hören. Der Evangelist Matthäus erinnert an ein uraltes Versprechen der Propheten.

Einen König brauche ich nicht: Soviel Luxus, nichts als Steuerverschwendung. Aber unserer einen Welt täte vielleicht so etwas wie ein ganz anderer König gut?! Einer, der für Gerechtigkeit sorgt und auf Gewalt verzichtet. Ich könnte einen Helfer gebrauchen, schon um die Kartons auszupacken. Nein, mal ernsthaft. Was erwarte ich denn? Für mich? In den nächsten 24 Tagen? Hilfe wäre nicht schlecht. Ich neige dazu, mich zu übernehmen und selbst zu hetzen. Eine Portion Ruhe wäre auch nicht schlecht, wenn möglich einmal täglich.

Nicht zu vergessen: Ankommen! Ich bei mir. Und Gott bei mir. Den drei Weisen hat ein besonderer Stern geholfen, den Weg zu finden und bei Gott anzukommen. Ich habe neulich noch zwei schöne Holzsterne gekauft. Nicht, dass wir nicht schon genügend hätten: die beiden schiefen Fenstersterne, die selbstgebastelten mit den dick verklebten Tesaecken, und der große Holzstern für den Flur. Ich werde sie aufkleben, -hängen, -stellen. Alle. Ich kann viele Hinweise brauchen. Dass Gott kommt und uns findet. Gefunden hat.

von Christiane Becker, Pfarrerin in Versmold-Loxten.