23. November 2014, Ewigkeitssonntag

Der Gang zum Friedhof am Totensonntag hat Tradition. Man gedenkt der Verstorbenen. Die Gedanken richten sich auf das Ende des Lebens. Die evangelische Kirche nennt den Tag Ewigkeitssonntag. Dass man das Wort ewig gebraucht und verstanden hat, ist wohl eine Ewigkeit her. Nur für unvorstellbar lange Zeiträume benutzt man es noch.

„Nichts währt ewig!“ sagte meine Mutter oft. Gleichmütig oder eher seufzend – das war nicht immer herauszuhören. Sie drückte damit aus, dass ein Verlust hinzunehmen, weil nicht zu ändern war. Der Satz konnte auf eine zerbrochene Kaffeetasse ebenso angewandt werden wie auf eine zerbrochene Beziehung oder auf einen verstrichenen Moment des Glücks.

Seltsamerweise  etikettiert man trotzdem Manches mit dem Begriff ‚ewig‘: diese ewigen Streitereien, das ewige Gejammer, der ewige Konflikt im Nahen Osten… Damit beschreibt man Zustände, auf die man keinen Einfluss zu haben scheint. Dass ich nicht darüber verfügen kann, das scheint mit dem Wort untrennbar verbunden zu sein. Ob etwas ewig währt oder nicht, darüber bestimme nicht ich.

Die Bibel gebraucht das Wort immer im Zusammenhang mit Gott. Ewig ist seine Liebe, seine Gnade und Treue, ja Gott selbst. Der Ewige, das ist sein Name. Er ist, wie er immer war. Und er wird sein, der er immer war: Ein Gott, der mitgeht, durch Höhen und Tiefen des Lebens, und der frei machen will von allem Schweren, das bindet und belastet. Er hält allem Erschaffenen die Treue. Ewig. Für immer. Nichts und niemand kann etwas daran ändern.

Das ist tröstlich für die eigene Zukunft, falls ich mich an diesen Gott halte. Das tröstet mich beim Gedanken an die Toten: Sie sind nicht verloren, sondern geborgen in ewiger Liebe. Das tröstet mich auch beim Gedanken an all die Krisen und Konflikte in dieser Welt. Auch wenn ich nicht viel daran ändern kann – ich weiß: Nicht sie währen ewig, sondern Gottes Liebe zu seiner Welt.

Den 25. Jahrestag der Mauerfalls in Berlin kommentierte ein Bekannter aus Argentinien mit einer langen Liste von Diktaturen und Unrechtsregimen in aller Welt, die er im Lauf seines Lebens hat fallen sehen, obwohl sie so fest zu stehen schienen wie die Mauer zwischen Ost- und Westberlin. Nichts währt ewig, Gott sei Dank! Nur Gott und seine Liebe. Gott sei Dank.

von Kirsten Potz, Steinhagen, Regionalpfarrerin für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung