07. Juli 2014 - 11. Sonntag nach Trinitatis

Seit fast 70 Jahren erlebt Deutschland seine längste Friedensperiode in der Geschichte. Vor drei Wochen habe ich einen fast 90-jährigen Mann kennen gelernt, für den der 2. Weltkrieg seine Jugend bestimmte und zerstörte. „Wird es wieder einen Krieg geben in Europa?“, fragte er mich; und sein Gesicht war nicht besorgt, sondern verzweifelt. Natürlich sprach er die Situation in der Ukraine an, die sich in den vergangenen Wochen Tag für Tag zuspitzt.

Das ist unsere Wirklichkeit, die die Weltöffentlichkeit beherrscht: Gewalt zwischen Israel und Palästinensern, IS-Terror im Irak. Und eben der Ukrainekonflikt, in dem sich zwei Geschwistervölker in einen bewaffneten Konflikt hinein gesteigert haben. Plötzlich ist die Kriegsgefahr gar nicht mehr so weit weg von uns. Und in allen Konflikten hören wir die Sprache der Fanatiker, die ihre eigene Überzeugung und Grenze über Frieden und Menschlichkeit stellen. Den Zivilbevölkerungen wird jede Lebensgrundlage geraubt. Unzählige Tote und Flüchtlinge bestimmen die Bilder in den Nachrichten. Und wir bilden uns unsere Meinungen, gesteuert von der Propaganda der jeweiligen Konfliktparteien.

Wir merken wieder einmal: Mit Ideologien schafft man keinen Frieden. Zeit für einen Frieden, der über allen Ideologen und Ideologien steht. Zeit für einen Frieden, der eine Brücke bildet von Mensch zu Mensch über alle territorialen und ideologischen Grenzen hinweg.

Einen einfachen Friedensplan finden wir im Epheserbrief im zweiten Kapitel: „Christus ist unser Friede.“ Der Satz – so einfach er klingt – ist ein gigantischer globaler Friedensplan. Er erzählt von der Liebe Gottes, die allen Menschen unterschiedslos gilt. Dieser Friedensplan fordert uns auf, Liebe und Menschenfreundlichkeit zur Weltherrschaft zu erklären, Nein zu sagen zu Intoleranz und gewaltbereitem Fanatismus. Dieser Friedensplan ist aktuell, weil Gott ihn in seinem Sohn Jesus Christus ein für alle Mal unterschrieben hat. Frieden hier und jetzt, für alle Zeit!

Mann, ist der Kerl naiv, mögen manche von Ihnen denken. Doch für Christen hat diese Naivität einen Namen. Sie nennt sich Hoffnung. Und wo Gott sein Wort des Friedens spricht, ist keine Hoffnung vergebens.

von Rüdiger Schwulst, Schulpfarrer an den Schulen des CDJ in Versmold