17. August 2014, 10. Sonntag nach Trinitatis

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. (Offenbarung 21,1)

Mit dieser großartigen Vision vom neuen Himmel und der neuen Erde, die einmal sein werden, endet unsere Bibel. Diese Vision des Sehers Johannes sollen wir jedoch nicht als schöner Traum verstehen, der niemals erreicht werden kann. Im Gegenteil: Johannes fordert uns auf, die enge Verbindung zwischen Himmel und Erde nicht aus dem Blick zu verlieren. Er sagt uns: Es gibt diese Zukunft. Diesen Himmel, der noch nicht ist, können wir schon jetzt sichtbar und fühlbar, gegenwärtig und glaubbar machen.

Davon singt eines der Lieder im evangelischen Gesangbuch (EG 611) – zu finden unter den Ökumenischen Liedern. Der Autor Willem Wilms formulierte seinen Text nicht im Futur, sondern bewusst im Präsens: Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf.
Es ist ein ökumenischer Kanon, weil wir im gemeinsamen Singen nicht nur die Spaltung glaubensverschiedener Menschen überwinden können, sondern auch den Gegensatz zwischen Himmel und Erde, zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen arm und reich, zwischen traurig und froh. Denn jeder Mensch braucht ein Stück Himmel bereits jetzt und hier.

Wie macht er das, der Himmel – über allen aufgehen? Er geht auf alle über – im Gespräch miteinander überwinden wir Barrieren. Sind unsere Blickwinkeln auch noch so verschieden und gegensätzlich– wir können uns einander annähern. Mit Scharfsinn und Feingefühl können wir die Wirklichkeit in den Blick nehmen, wie sie ist. Wir können gemeinsamen darüber nachdenken, was notwendig ist und was gut tut. Und schließlich können wir Handeln, gemeinsame Schritte überlegen, aufeinander zugehen. Wir können einer Zukunft gemeinsam entgegen gehen. Einer Zukunft, in der der Himmel über allen aufgeht.

Und dann merken wir: Es ist nicht nur ein Wortspiel. Man kann es drehen und wenden, wie man will, wie Gotte es will. Man kann seine Verheißung vorwärts lesen oder auch rückwärts. Es kommt immer dasselbe raus: Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf.

von Frauke Brauns, Öffentlichkeitsbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Halle und Prädikantin der Evangelischen Kirche von Westfalen