18. Mai 2014 - Kantate

Ohne Sicherung?

Die Planke schwankt gewaltig. Meine Füße suchen verzweifelt, das Gleichgewicht zu halten. Tief unter mir der Abgrund. Noch einen weiteren Schritt. Da gleitet der Fuß auf dem rutschigen Holz aus und ich falle…

Es gibt einen harten Ruck und ich hänge im Gurt, zehn Meter über dem Boden. Die Sicherungsleinen haben ihren Zweck erfüllt – bin ich froh!

Mich hat die Faszination Klettergarten gepackt: Sich in schwindelerregender Höhe von Plattform zu Plattform durch Aufgaben mit geringem oder hohen Schwierigkeitsgrad kämpfen. Wie bei der beschriebenen Station, bei der man einen schwankenden Steg von Holzplanken ganz ohne Hilfe überwinden muss – gesichert allerdings durch ein Stahlseil. Das kostet jedes Mal Überwindung und auch Schweiß, auch wenn man weiß, dass durch die Sicherung eigentlich nichts passieren kann.

Im Leben dagegen, kann viel passieren. Das wissen wir. Da kann man tief fallen und hart aufschlagen. Nicht wenige haben dies leidvoll erfahren müssen. Aber viele haben auch erfahren, dass es selbst im Leben „Sicherungsleinen“ gibt, die helfen. Ich denke an die Familienmitglieder, die sich bei der Betreuung des an Demenz erkranken Vaters abwechseln. Ich denke an die Nachbarschaft, die sich beim Krankenhausaufenthalt der Mutter um die Kinder kümmert. Ich denke an die Eltern, die sich alles dafür abverlangen, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung machen können. Ich denke an die jungen Leute, die in ihrer Freizeit Seniorenbesuche machen. Und ich denke an die Kraft, die der Glauben an Gott in bestimmten Situationen schenken kann. So wie es Arno Pötsch es formuliert:

Du kannst nicht tiefer fallen,
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Sicher, dieser Glaube verhindert nicht den Sturz wie ein Sicherungsseil im Klettergarten. Aber er gibt Halt und Kraft auf den schwankenden Planken des Lebens. Möge Gott Ihnen einen solchen Glauben schenken.

von Christian Eckey, Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Borgholzhausen.