11. Mai 2014 - Jubilate

„Konformation“ – so stand es, neben anderen Terminen im Zusammenhang mit dem Kirchlichen Unterricht, von ungelenker Hand auf einem Ringbuchblatt notiert. Der Pfarrer, der ihn vom Fußboden aufgehoben hatte, schmunzelte. Konformation? Natürlich ein Schreibfehler: „Konfirmation“ war ja wohl gemeint. Fremdwörter sind halt Glückssache. Dieses – an sich gar nicht der Erwähnung werte – Versehen gab ihm allerdings zu denken.

Konformation: das erinnert an Konformität und Konformismus, Bezeichnungen für ein Verhalten, das sich um Anpassung an die bestehenden Verhältnisse bemüht mit dem Ziel, nicht aufzufallen oder gar anzuecken. Unfähig, auch gegen die Mehrheitsmeinung zu seiner Überzeugung zu stehen, dreht der Konformist sein Fähnlein nach dem Wind und unterwirft sich damit jenem anonymen Diktator, den man „Zeitgeist“ schimpft.

Ist die Tatsache, dass die Kinder evangelischer Eltern sich – noch – mehrheitlich konfirmieren lassen, ein Zeichen von Konformismus? Ja, wenn das lediglich deshalb geschieht, weil es ein von den meisten Menschen hierzulande geübter Brauch ist. Ein solcher volkskirchlicher Automatismus, wie er bis in die Gegenwart – noch – besteht, offenbart seine bedenkliche Kehrseite dort, wo er den Blick dafür trübt, dass die Konfirmation eine Glaubensentscheidung darstellt. Denn von jeher verbindet sich mit dem Christsein der Anspruch, „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein (Matthäus 5,13.14). Der Weg der Nachfolge Jesu ist schmal, „und nur wenige sind’s, die ihn finden“ (Matthäus 7,14) – was ja mindestens schon mal ein engagiertes Suchen voraussetzt. Schon Martin Luther hat im Blick auf die Gesellschaft seiner Zeit geurteilt, ein (praktizierender) Christ sei ein gar seltener Vogel.

Um nicht im Sog der Masse vom Evangelium fortgezogen zu werden, bedarf es der Befestigung (lateinisch: confirmatio). Wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung ihr ja nur deswegen standhält, weil er mit dem Urgrund verwachsen ist, so kann auch der Christ seinen Glauben auf Dauer nur bewahren, wenn er sich tief in die Gemeinde Jesu einwurzelt. Dazu braucht es sowohl die innere Bereitschaft, gegen den Strom zu schwimmen, als auch äußere Leitbilder, die christliche Existenz beispielhaft verkörpern. Wem beides fehlt, wird sehr schnell vom Zeitgeist „konformiert“; konfirmieren – im Sinne des Festmachens an dem, der allein die Welt hält und trägt – kann hingegen nur  dessen Gegenspieler, der Heilige Geist. Und der tut das bei jedem, der ihn in sein Leben einlässt, auch vor und nach jenem großen Tag im Mai...

„Konformation“ – nicht mehr als ein falscher Buchstabe an der richtigen Stelle verhilft dazu, Sinn und Unsinn der Konfirmationsfeier wieder klarer zu erkennen.

von Hartmut Splitter, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Werther