27. April 2014 - Quasimodogeniti

Liebe Leserinnen und Leser,

im vergangenen Jahr konnte ich eine russisch-orthodoxe Osternachtsmesse in Iwanowo/Russland besuchen. Die Messe dauerte insgesamt etwa sechs Stunden. Viel verstanden habe ich nicht. Aber die eine Botschaft trug die ganze Messe, die immer wiederholt wurde. „Христос вoскрec. Ваистину вoскрec: Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Der Geistliche rief in regelmäßigen Abständen den ersten Satz der Botschaft den Gläubigen zu, die mit Begeisterung im Chor mit dem zweiten Satz antwortete.

Auch im weiteren Verlauf des Osterfestes zieht sich dieser Jubelruf des Christentums durch die Ostertage. Menschen tauschen Ostereier aus; Eier, die mit christlichen Auferstehungsmotiven verziert sind. „Christus ist auferstanden.“ Damit reicht der Einzelne sein Ei weiter. Mit der Antwort „Er ist wahrhaftig auferstanden“ werden die Eier getauscht.

Ich mag diesen Brauch. Er erinnert an die erstaunte Erkenntnis der Jünger Jesu, die den vor kurzem erst gekreuzigten Jesus Christus nach Ostern lebendig erlebten. Er erinnert an die ersten Christen, die diese lebensspendende Botschaft zum Zentrum ihres Glaubenslebens machten.

Was für ein Wunder! Was für ein Gott, der seine ganze Kraft in seinem Sohn offenbart hat! Der vermeintlich gescheiterte und verspottete Gottessohn triumphiert über seine Gegner, über alle Zweifler auch aus seinen eigenen Reihen, sogar über den Tod. Was für ein Gott, der sich ein für alle Mal für das Leben entschieden. Ein gigantisches Zeichen der Hoffnung für alle Christen durch alle Epochen hindurch.

Dieses Wunder und das Staunen nehmen wir jedes Jahr mit in unsere Osterfeierlichkeiten. Wir dürfen es erleben und weitergeben. Sprechen wir es aus und sagen wir es einander in der Osterzeit: „Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Ich wünsche Ihnen einen lebendigen Sonntag!

von Rüdiger Schwulst,Schulpfarrer am CJD in Versmold