12. Januar 2014 - 1. Sonntag nach Epiphanias

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus“ (Jes 42, 3)

Liebe Leserin, lieber Leser,

der 1. Sonntag nach dem Epiphaniasfest erinnert traditionell an die Taufe Jesu. Das Markusevangelium berichtet im 1. Kapitel, das Jesus von Johannes dem Täufer im Jordan getauft wird. Der Geist Gottes kommt über ihn, und eine Stimme vom Himmel verkündet: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ (Mk 1, 11) Anders als Matthäus und Lukas überliefert uns Markus keine Geschichten von der Geburt Jesu.  An ihre Stelle tritt vielmehr bei ihm die Taufüberlieferung, die den Lesern des Evangeliums deutlich machen will: Jesus ist nicht einfach ein Jude unter den anderen Juden seiner Zeit, in ihm begegnet den Menschen Gott selbst, in seiner Liebe und Gerechtigkeit zum Heil der ganzen Welt.

Der Vers aus dem Propheten Jesaja, der über dieser Andacht steht, stammt aus einem der sog. „Gottesknechtslieder“, die bei Jesaja überliefert sind.  Schon die ersten Christen haben in Jesus von Nazareth diesen „Gottesknecht“ gesehen haben, wie etwa Mt 12, 18-21 zeigt.

Liest man unseren Vers aus dem Propheten Jesaja in diesem Lichte, dann wird deutlich, dass uns im Reden und Wirken Jesu Christi Gott als ein Anwalt des gebeugten und erniedrigten Lebens begegnet. Er richtet auf und gibt neue Hoffnung, wo andere einen Schlusspunkt setzen würden - was läge näher, als das „geknickte Rohr“ abzubrechen? Er schenkt Leben und Licht, wo andere in Finsternis resignieren würden – was läge näher, als den „glimmenden Docht“ gänzlich auszulöschen? Im Zuspruch und im Handeln Jesu Christi haben Menschen seiner Zeit diese aufrichtende, Licht und Leben spendende Nähe Gottes konkret erfahren. Wie aber steht es mit uns, die wir in seiner Nachfolge leben wollen? Die Bibel liefert kein ethisch abgesichertes Handlungsprogramm. Sie gibt aber eine klare Richtung vor für alle, die im „Geiste“ dieses Jesus von Nazareth handeln wollen. Unser Vers aus dem Propheten Jesaja ist ein solcher Wegweiser für die Gestaltung des persönlichen, gesellschaftlichen, politischen Lebens: „das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen!“.

von Pfarrer Thilo Holzmüller, Schulreferent für die Kirchenkreises Gütersloh und Halle.

 

Erzähl-Café der Diakonie

Das „Erzähl-Café“ der Diakoniestation Halle findet jeden dritten Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr statt, und zwar in der Diakoniestation Halle, Bahnhofstraße 33a. In Zusammenarbeit mit dem MehrGenerationenHaus (MGH) lädt die Diakonie interessante Gäste zum Interview ein.

Das Programm für das erste Halbjahr 2014.