27. Okktober 2013, 22. Sonntag nach Trinitatis

„DANKEN MÜSSEN“


„Danken ist lästig“ sagte der griechische Philosoph Aristoteles vor 2.400 Jahren. Vielleicht spricht er damit Vielen aus dem Herzen. Denn Danken ist ja nicht selbstverständlich.

Kinder müssen es offensichtlich erst lernen:
„Hast du auch Danke gesagt?“ fragen Eltern oft. Noch schlimmer ist die Frage: „Und – wie sagt man?“
Ich bin als Großvater mehrfach selbst in diese Falle getappt. Z.B. als ich meiner Enkeltochter – sie war damals gerade drei Jahre alt – ein Stück Schokolade gab und sie es ohne weitere Regung in den Mund steckte, wollte ich erzieherisch nachhelfen und fragte: „Und – wie sagt man?“ Die Antwort kam prompt und gut artikuliert: „Bitte noch mehr!
Warum ist das Danken so schwierig, oder gar lästig – wie Aristoteles sagt?

Bei Kindern mag der Grund darin liegen, dass sie sich noch selbstverständlich beschenken lassen können. Sie erwarten alles und sie bekommen – hoffentlich umsonst und reichlich - von allem: Essen und Trinken und Liebe. Und das Leuchten ihrer Augen, die laut hinaus gerufene Freude oder auch nur das stille Lächeln sind ihr unausgesprochener Dank. Was ist da noch groß in Worte zu fassen?

Bei uns Erwachsenen ist das etwas anders. Unseren Erwartungen sind die Flügel gestutzt. Wir haben gelernt: Alles hat seinen Preis, den ich irgendwann einmal wieder zurückzahlen muss.
Ein lästiger Gedanke.

Dankbarkeit kann aber mehr sein als andressiertes Danke sagen.
Dankbarkeit ist ein Echo der Wahrnehmung und des Staunen Könnens.
Der Dichter und Theologe Lothar Zenetti hat das so beschrieben:
„Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter, (…)
für den Vogelflug und das Gras, (…) für die Luft, die wir geatmet haben und für alle die Tage, die Abende und Nächte.
Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen.
Bitte die Rechnung! Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, soweit die Erde reicht: Es war mir ein Vergnügen!“

Wer so staunend von der Welt und von Gottes Wohlwollen reden kann, der findet in sich von selber Worte des Dankes. Der kann frohen Herzens einstimmen in das Psalmwort (Ps 107):
„Danket Gott, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewig.“

von Christoph Grün, Schulpfarrer im Evangelischen Kirchenkreis Halle