09. Juni 2013, 2. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Leserin, lieber Leser!

Neigt eure Ohren und kommt her zu mir, hört, und ihr werdet leben! Ich will mit euch einen dauerhaften Bund schließen, zuverlässige Zuwendung, die ich David erwies.
(Aus: Bibel in gerechter Sprache)

Dieser Vers steht im Propheten Jesaja im 55. Kapitel. Es ist ein Vers aus dem Predigttext diese Sonntags.  Um was geht es da?  Es geht um das Hören, aber nicht nur das: Es geht um ein Hören, das Leben bringt... Wie aber ist es möglich, durch Hören das Leben zu haben, oder anders ausgedrückt: Wenn ich zuhöre, werde ich leben? Dieser Vers führt uns in die Zeit, als Israel nach langem Exil in Babylon nach Jerusalem zurückkehren durfte, also etwa 400 v. Christus. Und als es zurückkehrte, sah es die zerstörte und verwahrloste Stadt Jerusalem. Auch der Tempel war zerstört.

Und diesem traurigen und enttäuschten Volk ruft Gott  zu:

Neigt eure Ohren und kommt her zu mir, hört, und ihr werdet leben!

Liebe Leserin, lieber Leser,
man könnte jetzt sagen, dass dieser alte Text mit unserer Gegenwart ja nun wirklich wenig zu tun hat. Ja, das stimmt, sofern man sich keine Zeit nimmt zum Nachdenken und zum Hören...
Wenn man sich aber Zeit nimmt zum Hören kann der Text durchaus anfangen zu  reden:

Wie aber sieht das Hören heute aus: Man kann sich z.B. Zeit nehmen zum Hören, indem man Ereignisse des Tages nicht zur Kenntnis nimmt, sondern über sie nachdenkt und bei diesem Nachdenken das Mitschwingen lässt, was man beim Lesen der Bibel wahrgenommen hat:

Die großen Wassermassen in Passau, Dresden, Bitterfeld und anderswo:
Diese Wassermassen haben was mit mir, mit meiner Lebensweise zu tun. Ich sehe Zusammenhänge, die ich vorher nicht gesehen habe: Neben den Versäumnissen der Verantwortlichen in Passau, Dresden, Bitterfeld und anderswo, sehe ich auch meine eigenen Versäumnisse: Ich sehe die großen Mengen an Lebensmitteln, die bei uns weggeworfen oder vernichtet werden, während in Somalia innerhalb von drei Jahren annähernd 300.000 Menschen durch Hunger und Mangelernährung sterben. Ich denke nicht nur nach, sondern sehe diese Zusammenhänge und nehme mit anderen Menschen Kontakt auf und spreche sie an und bemerke dann – gemeinsam mit den anderen – dass wir in Brockhagen und in Steinhagen am Leben vorbei leben, dass auch wir zerstören, was Gott und Natur uns anvertraut haben. Und dann gehen wir nicht einfach zur Tages – (Gartenordnung) über, sondern handeln! Und dieses Handeln hat viel mit dem Leben zu tun, dass Gott den Israeliten verheißen hat, wenn sie „hören“.

Gott will auch uns „Leben lassen“ und „Leben schenken“ wenn wir hören.

Alles Gute und einen schönen Sonntag.

Ihr Kurt Kükenshöner, Pfarrer im Ruhestand