28. April 2013 - Kantate

Heute Morgen – genauer: heute am sehr frühen Morgen. Der Blick auf den Wecker zeigt: Es ist gerade 5 Uhr. Viel zu früh! Nochmal umdrehen; weiterschlafen. Doch dann merke ich, warum ich wach wurde. Laut zwitschern Vögel vor dem Schlafzimmerfenster. Wild durcheinander – fröhlich singend. Und obwohl es so früh ist, freue ich mich. Denn nun bin ich mir sicher, dass der lange Winter vorbei ist, dass das Leben wieder erblüht, dass das Osterfest nun auch sichtbar Leben und Farbe in mein Leben bringt.

So beginnt der Tag mit einer guten Stimmung. Aber nicht nur für mich allein. Später höre ich deutlich meinen Nachbarn singen – seineFenster stehen "auf Kipp", und ich weiß, er steht unter der Dusche. Mit purer Lebensfreude singt er fröhlich ein aktuelles Poplied. Laut und dabei nicht alle Töne treffend, aber mit Hingabe. Es steht außer Frage, dass er vor der Jury einer der vielen Gesang-Castingshows keine Chancen hätte. Doch das zählt nicht. Was zählt ist die Freude.

Was zählt ist die Freude. So wie ich es auch bei den Konfirmationsgottesdiensten erlebt habe, die in diesen Wochen in unserem evangelischen Kirchenkreis gefeiert werden. Dabei sitzen in unseren Kirchen dicht gedrängt nicht die geübten Kirchenliedsingenden. Einige besuchen aufgrund der Konfirmation das erste Mal seit vielen Jahren wieder einen Gottesdienst. Doch die Freude über dieses besondere Fest lässt sie singen. Mal singen sie laut, mal zaghaft, aber immer fröhlich die nicht mehr gewohnten Lieder mit.

Natürlich werden nicht alle Töne getroffen. Aber das zählt nicht. Was zählt ist die Freude. Vor allem am Konfirmationstag. Und so mancher kommt durch die Kirchenmusik, durch manche alte Melodie, durch eine Liedstrophe wieder mit Gott in Berührung. Gott berührt das Herz durch ein gesungenes Wort. Gott lässt sich von uns auf diesem Wege wieder entdecken, und reißt für uns den Himmel auf.

von Jörg Eulenstein, Pfarrer in der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Harsewinkel