07. April 2013 - Quasimodogeniti

Neulich in der Konfirmandenprüfung: Die Zeit ist um. Zwanzig Gesichter schauen müde drein – aber auch erleichtert. Sie haben sich gut geschlagen, gleich ist Schluss. Doch plötzlich wird es noch mal spannend! Eine Presbyterin fragt: „Wenn ihr konfirmiert seid, kommt ihr dann noch in den Gottesdienst?“

Mit einem Mal ist es still. Zögernd hebt sich ein Arm. „Ja, doch. Nur wohl nicht mehr so oft...“, meint eine Konfirmandin. Eine andere ergänzt: „Das wär unehrlich, zu sagen: Wir kommen genauso oft. Am Wochenende ist auch vieles andere los. Aber wenn es passt, komme ich.“ Ein Konfi meint, halb ernst, halb im Scherz: „Ich komme wieder – spätestens Weihnachten...“

Respekt! Eine beherzte Presbyterin, eine gerade heraus gestellte Frage! Wer traut sich heute, so zu fragen?
Respekt auch den Konfis! Sie haben nicht einfach etwas dahin gesagt. Sie haben sich ehrlich der Anfrage gestellt. Ihre Antwort ist realistisch, viele Eltern und Geschwister halten es so mit dem Sonntag.

Und zugleich, bei allem Respekt: Mir lässt das keine Ruhe. Mir kommt in den Sinn, was Jesus sagt: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18,20). Manch einer spottet: „Was die Zahl der Gottesdienstteilnehmer angeht, ist das Wort Jesu Wirklichkeit geworden.“ In der Tat: Wann sind unsere Kirchen schon voll – außer zu Weihnachten und bei den Konfirmationen?

Und doch ist das nur die halbe Wahrheit. Jesus spricht nicht vom Gottesdienst. Er spricht davon, dass Menschen, die ihm vertrauen, zusammenkommen. Ob im Gottesdienst, beim Gesprächskreis oder in der Kinderbibelwoche, das ist gleich. Er verspricht: „Wo ihr zusammenkommt, um an mich zu denken und mich anzusprechen, da werde ich bei euch sein.“

Ich bin sicher, in der Konfirmandenprüfung war er auch da. Deshalb wünsche ich uns mehr von solch beherzten Fragen, mehr von solch ehrlichen Antworten und vor allem: mehr Gelegenheiten für solche Gespräche. Denn wo sie stattfinden, können wir Jesus Christus begegnen.

von Dr. André Heinrich
Pfarrer in Brockhagen