31. März 2013 - Ostern

Kinder machen sich zuweilen auf dem alten Haller Friedhof inmitten der Stadt einen Spaß daraus, durch das dort aufgestellte Kreuz zu laufen. Vorübergehende Erwachsene schauen ihnen manchmal kopfschüttelnd zu. Und in der Tat: Es bleibt grotesk. Das Kreuz ist Sinnbild für Tod, Ende und Hoffnungslosigkeit. Unsere ganze Perspektivlosigkeit bricht sich darin Bahn. Von dort gibt es scheinbar kein Weiterkommen.

Alle zerbrochenen Hoffnungen ließen sich darin zusammenfassen. Das Kreuz steht für Ende, das Begraben aller Zukunftspläne. Und die Begegnungen mit dem Sterben und dem Erleben von Tod zeigen es uns immer wieder ganz deutlich: Da braucht es keine Katastrophen, um diese Wahrheit des Lebens zu verstehen. Da reicht manchmal schon ein Blick in die Probleme hier vor Ort, um die Allgegenwart des Todes festzustellen. Der Tod kommt ja nicht erst am Ende des Lebens zu uns, sondern mitten im Leben tritt er mit seiner Macht auf: im Scheitern von Beziehungen, in der Eiseskälte und im Schweigen, das sich zwischen Freunden vollzieht, in dem Absterben irgendwelcher Hoffnungen.
Gegenüber dem Tod fühlen wir uns ohnmächtig, untergeben und ausgeliefert. Der Tod stellt sich in unserem gegenwärtigen Erleben als unabänderlich dar.

Unabänderlich? Ja, wenn der Lauf der Dinge so weitergegangen wäre. Doch eben hier hinein spricht unsere Auferstehungshoffnung. Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen – das ist die eine allgegenwärtige Wahrheit. Die andere lautet, wie Luther es einmal formuliert hat: Mitten im Tod sind wir vom Leben umgeben. Das ist das Neue. Auf unvergleichlich schöne Weise hat Johannes Schepp diese tragende Hoffnung durch die Gestaltung seines Kreuzes zum Ausdruck gebracht.

Das Kreuz ermöglicht ein Weiterkommen. Man kann durch es hindurchgehen. Nicht nur im Spiel der Kinder, sondern auch im ganz real vollzogenen Leben. Mitten durch das Kreuz hindurchgehen. Mitten in den großen und kleinen Krisen öffnet sich die Tür. Ich finde darin die Osterbotschaft in unvergleichlich schöner Weise dargestellt. In dem zentralen christlichen Symbol vereint sich beides: das Erschrecken über unsere gestrandeten Hoffnungen und die Perspektiven, die sich uns auftun im Glauben an den Auferstandenen.

In diesem Sinne wünsche ich ein gesegnetes Osterfest.

Ihr Walter Hempelmann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Halle