17. März 2013 - Judica

Dieser vorletzte Sonntag der Passionszeit hat seinen Namen vom Psalm 43,1: „Gott, schaffe mir Recht und führe meine Sache wider das unheilige Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten.“ So schreit der Psalmbeter in äußerster Not. So höre ich Menschen schreien, die in der Öffentlichkeit keine Stimme haben, niemanden, der wirklich hört und hilft:

  • Mütter, die in Fukushima mit ihren Kindern in Gegenden mit erhöhter Strahlung wohnen und sich große Sorgen um die Zukunft machen.
  • Menschen, die ihrer Regierung nicht mehr trauen, weil zu viel abgewiegelt und verschwiegen wird, weil Messgeräte in der Öffentlichkeit nachweislich niedrigere Werte anzeigen als tatsächlich vorhanden sind.
  • „Seit diesem Jahr werden Erholungsmaßnahmen für Mütter mit Kindern aus hoch belasteten Gegenden nur noch innerhalb der Präfektur Fukushima subventioniert.“, erzählt mir eine Aktivistin des CVJMs Kobe. „So will die Regierung sie zwingen, zur Tagesordnung überzugehen. Sie sollen schweigen und leben als wäre nichts.“
  • „Gott, schaffe mir Recht!“, so höre ich die Stimmen von immer noch 310.000 Menschen, die nach der Erbebenkatastrophe in Japan nun das dritte Jahr in Containersiedlungen aushalten müssen, weil sie nicht wissen, wohin und wie sie es bezahlen können.

„Gott, schaffe mir Recht!“, so höre ich die Stimmen junger Menschen in Deutschland, deren Zukunft ohne Schulabschluss und Berufsausbildung  in Frage steht.


So höre ich die Stimmen von Menschen, die unter dem täglichen Arbeitsstress zerbrechen und psychisch krank werden.

In Vers 5 findet der Psalmbeter einen Weg in der Not: „Was betrübst du dich, meine Seele und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“

Der Psalmbeter rät uns, an der Hoffnung auf Gott fest zu halten auch gegen allen Augenschein. Das ist die Spur, die uns auf Ostern weist: Gott, der in Christus am Kreuz gelitten hat bis in den Tod, dieser Gott verlässt uns nicht. Hat uns nie verlassen. Sich an ihn halten, gibt uns den Mut, nicht zu schweigen, sondern die Stimmen derer zu verstärken, die rufen: „Gott, schaffe mir Recht!“

von Elisabeth Hübler-Umemoto
Pfarrerin in Versmold-Peckeloh.