17. Februar 2013 - Invokavit

Der Papst geht

Die Nachricht vom Rücktritt des Papstes kam völlig unerwartet und beschäftigt die Menschen. Sie blicken zurück und viele haben Respekt davor, dass der Papst seine eigene Gebrechlichkeit und die Lasten des Alters spürt, dazu steht und sagt, dass nun ein anderer das anspruchsvolle Amt wohl besser ausfüllen könne. Die Menschen blicken zurück und beurteilen die Amtszeit von Papst Benedikt XVI. Die Urteile über den deutschen Papst fallen sehr gemischt aus und reichen von tiefer Verehrung und Achtung etwa vor seiner großen Gelehrsamkeit auf der einen Seite bis hin zu massiver Kritik etwa an seinen Stellungnahmen zur Sexualmoral auf der anderen Seite.

Jeder äußert sich zum Papst: engagierte Katholiken ebenso wie distanzierte Protestanten, Konfessionslose und Atheisten. Ich bin evangelisch, aber vielleicht ist das ein Zeichen von im besten Sinn des Wortes selbstverständlich gewordener Ökumene, dass auch der Papst nicht mehr nur als typischer Ausdruck des Katholizismus verstanden wird. Auch viele evangelische Christen hören auf die Stimme des Papstes. Sie hat Gewicht. Sie ist nicht schon deshalb falsch, weil sie von höchster katholischer Stelle stammt. Ich selber etwa habe zwei der drei Jesus-Bücher des Papstes mit Freude und mit Gewinn gelesen.

Was katholische und evangelische Christen längst wissen: Es kommt auf das Zeugnis jedes einzelnen Christen in dieser Welt an. Es reicht in keiner Weise mehr aus, zu denken, ich lebe in einem christlich geprägten Land und kann mich einfach vom Mainstream treiben lassen. Längst wissen wir: Konfession heißt auf Deutsch zunächst Bekenntnis. Vor allen Abgrenzungen sollten wir positiv sagen, wozu wir uns bekennen: zu Jesus Christus.

Das Evangelium sucht nach Glauben und Weitersagen, es will Leben bestimmen und prägen, zum Wohl der Menschen. Das Bekenntnis des Glaubens will konkret werden in den Fragen unserer Zeit. Es versteht sich überhaupt nicht von selbst. Ich habe nicht nur zu diesem und jenem meine eigene Meinung, sondern als Christ will ich von der Mitte des Evangeliums her auf das Leben blicken. Und: Das Bekenntnis des Glaubens braucht die Stimmen aller Mitchristen, ob evangelisch oder katholisch.

Der Papst geht, unser aller Zeugnis wird auch künftig nötig sein.     

Holger Hanke ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Werther.