Wort zum Sonntag Sexagesimae (60 Tage vor Ostern), 3. Februar 2013

Es ist wohl die berühmteste Hochzeit der Welt – aber niemand weiß, wer da eigentlich geheiratet hat. Oder wo genau die Feier stattfand. Und wer das Brautkleid entworfen und was es gekostet hat. Bei jeder anderen „Hochzeit des Jahres“ erfahren wir das. Da wird jedes Detail ausgiebig beschrieben und besprochen. Und irgendwann doch vergessen. Aber von der Hochzeit in Kana wird nach rund 2.000 Jahren noch gesprochen (in Kana, nicht etwa in Kanaan – der kleine Ort im Norden Israels hat soviel mit dem Land Kanaan zu tun wie der Eiffelturm mit der Eifel).Warum ist diese Hochzeit unvergessen? Weil ein Wunder passierte. Geschehen in Ihrem Leben Wunder? Noch dazu solche, bei denen der Wein in Strömen fließt?!  Dabei sah es in Kana zunächst ganz anders aus. Mit dem Hinweis „Sie haben keinen Wein mehr!“ wendet sich Maria an ihren Sohn Jesus. Beide sind Gäste bei dieser Dorfhochzeit, bei der es bald nur noch Wasser gibt. Wasser ist gut, ist lebensnotwendig – aber Wein bedeutet Freude. Eine Hochzeit ohne Wein ist ein Fest ohne Freude. Bald ist also Schluss mit lustig. Ohne Jesus zu bedrängen irgendetwas zu tun, geht Maria auch zu denen, die den Wein aus den Vorratskrügen auf die Tische bringen. „Tut alles, was er euch sagt!“, rät sie ihnen. Und dann kann das Wunder geschehen, von dem man bis heute spricht.Vielleicht erleben wir so wenige Wunder, weil wir nicht darauf achten, wo anderen etwas fehlt: Geld, Anerkennung und  Liebe, Gesundheit, Gerechtigkeit... Oder weil wir uns in schwierigen Lagen nicht an Gott wenden. Weil wir nicht darauf vertrauen, dass Gott schon weiß, was wann und wie zu tun ist – und schon gar nicht, dass er tatsächlich eingreifen will und kann, um zu helfen. In Kana hat Jesus nicht nur geholfen, sondern viel mehr gegeben als nur das, was lebensnotwendig ist, nämlich alles, was so richtig froh und glücklich macht! Die Leute in Kana schmeckten jedenfalls den besten Wein ihres Lebens. Ob überhaupt alle das Wunder bemerkt haben? Oder nur diejenigen, die darauf gewartet hatten? Die getan haben, worum Jesus sie bat, so wie Maria es ihnen geraten hatte?Wunder geschehen oft unbemerkt, sogar wenn sie öffentlich passieren. Vielleicht stimmt etwas mit uns nicht, wenn wir sie nicht wahrnehmen. Denn Wunder können geschehen, wenn wir sie nicht nur erhoffen, sondern bereit sind zu tun, was Gott von uns erwartet: Ihn zu lieben und den Nächsten. Wie könnte unsere Welt aussehen, wenn mehr Menschen dazu bereit wären?Ich wünsche Ihnen einen ganz wunderbaren Sonntag!


Kirsten Potz, Steinhagen, ist Regionalpfarrerin für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung in den Kirchenkreisen Bielefeld, Gütersloh, Halle und Paderborn