13. Januar 2013 – 1. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Leserinnen und Leser,

in den meisten Häusern kehren die Familien seit einigen Tagen zur Alltagsdeko zurück. Der Weihnachtsbaum hat ausgerieselt. Der Weihnachtsschmuck verschwindet in Kisten und in Abstellräumen und wartet auf seine Wiederentdeckung am Ende des Jahres. Die Weihnachtszeit ist ja zu Ende. So habe ich oft in diesen Tagen gehört. Doch auch wenn bei den meisten von uns die Weihnachtsstimmung nicht bis ins Neue Jahr gerettet werden konnte, die Weihnachtszeit ist dennoch nicht zu Ende.

Die Weihnachtszeit endet nicht etwa mit dem Weihnachtsfest. Nein, sie beginnt mit dem Weihnachtsfest. Die jedes Jahr wieder aktuelle Neuigkeit, dass Gott in einem Kind in Bethlehem zur Welt kommt, hat kein Verfallsdatum. Allein die Tatsache, dass wir jedes Jahr erneut die Geburt des Sohnes Gottes feiern, zeigt es doch deutlich. Das Frischesiegel der weihnachtlichen Botschaft kann von niemandem geknackt werden. Einmal kam die Botschaft durch Boten Gottes in die Welt: „Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“ Gott hat beschlossen, dass dieser Triumphruf in der Friedlosigkeit dieser Welt immer klingen wird, weit über das Weihnachtsfest hinaus.

Ich denke in diesen Tagen oft an die Konflikte zwischen Israel und Palästina. Ein offensichtlich nicht enden wollender Krisenherd. Doch einer stellt sich der Gewalt mit einer unwiderstehlichen Friedensbotschaft. Der palästinensische Christ Daoud Nassar hat auf einem Weinberg in Palästina ein Friedensprojekt ins Leben gerufen, das alle Völker im Frieden verbinden soll: Tent of Nations - Zelt der Nationen. Immer sind er und seine Familie Schikanen der israelischen Armee ausgesetzt, die ihm seinen  Weinberg wegnehmen und damit seinem Friedensprojekt ein Ende setzen wollen.  Diesem Projekt, in dem er gerade Jugendliche zum internationalen Friedensdialog einlädt, hat er ein besonderes Motto gegeben. „Wir weigern uns, Feinde zu sein.“

Ja, Weihnachten ist nicht zu Ende. Weihnachten lebt, weil der Frieden, den Gott gibt, lebt. Er lebt in den Menschen, die Frieden leben.

Rüdiger Schwulst ist Pfarrer und Religionslehrer an den Schulen des CJD Versmold