19. August 2012 - 11. Sonntag nach Trinitatis

Das war sie dann – zumindest für die meisten – die Urlaubszeit. Die Zeit des Abschaltens, der Erholung, die Zeit, auf andere Gedanken zu kommen. Bald wird diese Zeit vergessen sein, auch solche Erlebnisse: Ein kleines Mädchen geht mit ihren Eltern zum Strand, läuft etwas vor und ruft erstaunt: „Seht mal, da ist alles blau, das liegt auf der Erde!“
Staunen, Entdeckungen und Abschalten liegen leider nur zu schnell wieder hinter uns. Die Anforderungen und der Leistungsdruck des Alltags, auch des Berufsalltags, werfen ihre Schatten.

Leistungsdruck haben viele von uns in den vergangenen Wochen verfolgen können. Die Olympischen Spiele mit ihrer Faszination haben uns in den Bann gezogen. Alle Sportlerinnen und Sportler haben auf diesen Höhepunkt ihrer Sportlerkarriere seit Jahren hingelebt. Totaler Einsatz ist nötig gewesen für diese Zeit.

Der Apostel Paulus benutzt auch einmal den Vergleich mit dem Sport und zwar dem Wettlauf bzw. Boxkampf:
„Wisst ihr nicht, dass die Läufer in der Kampfbahn zwar alle laufen, aber nur einer den Siegespreis empfängt? Lauft so, dass ihr gewinnt! Jeder aber, der kämpft, legt sich jeden Verzicht auf; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich jedenfalls laufe nicht auf ein ungewisses Ziel; ich kämpfe mit der Faust, aber nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich treffe meinen Leib und unterwerfe ihn, damit ich nicht den  andern predige und selbst verworfen werde.“ (1. Kor. 9, 24-27)

Er vergleicht hier den Christen mit einem Sportler, der ja auch alles einsetzt, um sein Ziel zu erreichen. Er kämpft mit allen Kräften um den Erfolg. Er trainiert und setzt sich ein. Dies wünscht sich Paulus, dass Christen sich einsetzen für ihren Glauben. Nicht nur reden, sondern auch tun. Bei all dem ist eines anders als beim Sport: Nicht nur der Beste bekommt dann den Preis, den Pokal, den Siegeskranz, wie es damals üblich war, sondern alle. Er ist geschenkt, Gott schenkt uns sein Ja, wie Paulus an vielen Stellen betont.

Aus Dankbarkeit sollen wir uns dann nach dem ausrichten, was er möchte. Als Einzelne, als Gemeinde. Diese Zusage kann uns Mut machen und Kraft geben, in aller Unvollkommenheit in dieses Rennen zu gehen. Vor Gott sind wir nicht nur etwas wert, wenn wir Leistung erbringen, er sieht auf unser Herz.

Von Andreas Aland, Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Halle